Toms Schnellgericht
21.04.2011
Hier muss was raus
Bei diesen Neuerscheinungen heißt es wieder: »Lecker Häppchen oder kurzer Prozess!« Von TOM ASAM.
»International Feel«, ein junges Label aus Uruguay, das seit 2009 einige hochwertige 12“-Vinyl-Veröffentlichungen aufweisen kann und die tollen Quiet Village im Programm hat, veröffentlicht mit Gatto Fritto und seiner gleichnamigen Platte nun den ersten Longplayer. Gatto Fritto schwört auf die gute alte Analogtechnik und zeigt sich auf seinem mit den Junior Boys verglichenen, so spacig wie harmonisch daherkommendem Werk, inspiriert von Altmeistern wie Jean-Michel Jarre und dem Alan Parsons Project. Kein Hexenwerk also, wie Song zwei (Hex) vermuten lässt, aber auch kein Grund zum Verfluchen (der Opener heißt: The Curse). Uru-Retro-Electropop mit Summer Feel, das ist doch mal was anderes.
You drive me to plastic ist der etwas skurrile Titel von Bullion, den uns das »Young Turks« Label präsentiert, welches uns schon die famosen Überflieger The xx servierte. Paul White aka Bullion steht in der Tradition klassischer Hip-Hop-Produzenten, holt in seinem gut 20-minütigen Mash-Up, das zuvor bereits als limitiertes Vinyl erschienen ist, jedoch weit aus. Retrofunk, Krautrock-Feel, Library Music-Schnipsel, 70's Electronics und Gitarren treffen hier aufeinander. Wie ein abgefahrenes Lieblings-Mixtape, drives you nuts and drives you plastic. Ein Schatten von DJ Shadow, der uns Linderung an heißen Tagen verschafft.
Tania Saedi, Wienerin mit persischen Wurzeln, veröffentlicht ihr erstes Album auf dem Sofa Surfer-Label Monoscope. Wichtiger Partner bei der Entstehung dieser zwischen Rock, post-Trip-Hop und Technoanklängen changierenden Platte mit dem Titel Exhal, war Markus Kienzl. Diesen kennt man auch von den Sofa Surfers, hier übernimmt er erstmals die Produzentenrolle. Auch Saedi und Kienzl kennen sich schon länger (Tania sang schon auf einem seiner Soloveröffentlichungen) und scheinen bestens zu harmonieren. Exhale ist ein bewusstes Ausatmen; hier muss was raus, hier spürt man Emotionen. Intensiv aber nicht rein instinktiv, denn das Ganze ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch handwerklich ausgefeilt.
Ein sicherer Tipp ist die Body Language Compilation-Reihe, in der schon die Junior Boys, DJ Hell oder Modeselektor am Drücker waren. Auf der zehnten Ausgabe dieser Reihe kehrt man zum Ausgangspunkt zurück: M.A.N.D.Y. , das sind die Get Physical Music-Mitbegründer und erfahrenen DJs Philipp Jung und Patrick Bodmer, die bereits für Vol. 1 verantwortlich zeichneten, übernehmen das Ruder erneut. Auch diesmal gibt es wieder eine geschmackssichere Auswahl aktueller Clubsounds zwischen Tech House, Detroit, Broken Beats und exzentrischen Ausritten. To name a few: Kollektiv Turmstrasse, Ramadanman & Appleblim (Void 23 im Carl Craig-Re-Edit), Dj Koze, Kid Bliss und Wunderkind Nicolas Jaar mit seinem Instant-Wahnsinns-Hit Space is only noise if you can see.
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