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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:29

Ja, Panik: DMD KIU LIDT

28.04.2011

Eine Welt zerstören

Mit den Referenzen ist das so eine Sache. Meist versucht man sie zu verbergen, beziehungsweise sie so unkenntlich zu machen, dass nur noch der ganz gewiefte Hörer, der »Fan« sie erkennt. Bei der Berliner Band Ja, Panik ist das ein wenig anders. Hier versucht man weder die Referenzen, die Inspirationsquelle, das Zitat zu verbergen, noch kann man davon ausgehen, dass die verschiedenen Stile, die auf dem neuen Album mit dem mystischen Titel DMD KIU LIDT zu hören sind und gewisse Hörassoziationen wecken, zufällig entstanden sind. Von MAXIMILIAN LINK

 

DMD KIU LIDT ist ein Konzeptalbum, ein Album, dass sich die Form, den Status, die Geschichte eines solchen zunutze macht. 14 Lieder lang werden sämtliche Fässer der jüngeren Musikgeschichte aufgemacht, man lasse sich die Titel der Songs nur mal auf der Zunge zergehen. Nevermind, Time Is On My Side, Mr. Jones & Norma Desmond. Was auf diese teils wunderschöne, eben poppige Eingängigkeit (Trouble) folgt, ist ein episches, ein rockendes, ein klar gemeintes Ende. Es geht »immer noch darum eine Welt zu zerstören«, so Sänger Spechtl auf dem titelgebenden Schlussstück. Dieses fängt wie folgt an: »Letzendlich habe ich meine Koffer gepackt. Habe ein Ticket gelöst und bin fortgefahren. Ich habe aufgeschrieben, was ich lange vergessen hab.« Es geht darum, die Welt der Popironie zu verlassen. Endlich wieder ehrlich zu sein, Werte nicht nur zu haben, sondern auch zu leben. Ein solches Ende kann nur noch durch die absolute Stille gesteigert werden, und diese folgt in einer 9-minütigen Andacht.

 

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und ganz so einfach ist es nicht. Auch in den 14 Popsongs geht es nämlich immer wieder ums Inferno, um das Ende: In this everlasting end / Sort your enemies and friends. heißt es im Stück Run From The Ones That Say I Love You. Und schließlich sagt ein solches Albumkonzept nichts über die Musik an sich aus. Lange hört man auf DMD KIU LIDT – was übrigens das Akronym für Die Manifestation des Kapitals in unserem Leben ist die Traurigkeit ist – nämlich nur eines: Text. Der Text ist allgegenwärtig, was wohl auch an seiner Form, der Wiener Spezialität Spechtls liegt; seinem Wiener Denglisch. »Sorry for my bad english / but my German is even worse«, singt er programmatisch in Trouble. Gibt man der Musik jedoch Zeit sich zu entfalten, hört man einmal hinter den Text und lässt die Gitarren sliden, das Piano popen, wird man vielleicht überrascht aufhorchen. »Ja«, wird man panisch schreien, »ich habe die Referenz erkannt!«


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