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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:29

Gian Carlo Menotti: The Medium / The Telephone

24.04.2011

Singend am Telefon

Die Idee ist genial: Ein Mann möchte einer Frau einen Heiratsantrag machen, ehe sein Zug in einer Stunde abfährt. Aber er kommt nicht dazu. Denn immer, wenn er zu sprechen ansetzt, läutet das Telefon. Am Ende kommt er zu seinem Ziel: indem er den Antrag, übrigens mit Erfolg, telefonisch deponiert. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Hat diese 22-minütige Minioper nicht 64 Jahre nach ihrer Uraufführung, im Zeitalter des ubiquitären Handy-Wahnsinns, grandios an Aktualität gewonnen? Gian Carlo Menotti ist in den USA populär. In Europa wird er nicht so recht ernst genommen und kaum aufgeführt. Irgendwo zwischen Puccini und Andrew Lloyd Webber angesiedelt, lässt er sich im Theaterbetrieb schwer einordnen. Schade. Denn zumindest The Telephone gehört zu den witzigsten Musiktheaterwerken, die sich anbieten. So muss man sich denn mit der CD bescheiden, die eine Aufnahme von 1947 in restaurierter Version erneut zugänglich macht.

 

Menottis Melodien sind eingängig, zum Teil fast volksliedhaft. Dazwischen aber und in ihrer Verarbeitung beweist der aus Italien stammende Komponist, der 2007 im Alter von 95 Jahren starb, dass er durchaus mit den (tonalen) Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts vertraut war. In den Gesangspartien nimmt er oft die natürliche Sprechmelodie auf – und der Text, den man auf der CD dankenswerterweise gut versteht, ist bei ihm nicht Nebensache –, tonmalerische, ja filmmusikähnliche Effekte werden ausgiebig genutzt, und das Orchester sowie das Klavier übernehmen auf ausgesprochen komische Weise die Rolle der Gesprächspartner auf der anderen Seite der Telefonleitung.

 

Offenkundiger Unterhaltungswert

Auf der CD findet sich auch die zweiaktige Kurzoper The Medium, die gemeinhin zusammen mit The Telephone präsentiert wird. Sie handelt von einer spiritistischen Séance, und auch hier nützt Menotti den Stoff, vor allem im ersten Akt, für überzeugende klangliche Effekte. Im zweiten Akt entwickelt sich das Geschehen zu einem veritablen Krimi, wie man ihn eher im Kino als in der Oper erwartet. Die Libretti für The Medium wie für The Telephone, wie übrigens für seine weiteren Opern – etwa Amela al Ballo, The Consul oder Amahl and the Night Visitors stammen vom Komponisten selbst.

 

Die Oper hat bei den meisten jungen Leuten, die mit Popmusik diverser Provenienz aufgewachsen sind, keinen guten Ruf. Sie gilt als verstaubt und langweilig. Vielleicht sollte man es mit Menotti versuchen. Der Unterhaltungswert ist offenkundig, und musikalisch können es seine Werke mit aktuellen Musicals durchaus aufnehmen. Auf Tanzeinlagen muss verzichtet werden. Für die CD ein unabweisbarer Vorteil.

 

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