Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:20

Infinite Light Ltd.: Infinite Light Ltd.

19.05.2011

Heterogene Sammlung von Meisterwerken

Infinite Light Ltd. ist eine Elefantenhochzeit sondergleichen: Nathan Amundson von Rivulets, Aidan Baker von unter anderem Nadja und Mat Sweet von Boduf Songs haben sich zusammengetan, um mit Infinite Light Ltd. eine Platte abzuliefern, die vor Meisterwerken nur so strotzt, aber trotzdem irgendwie problematisch ist. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Was könnte bei solchen Ausnahmemusikern hinderlich sein, wieso könnten sie nicht einen absoluten Meilenstein der experimentellen Musik schaffen? An den Egos liegt es sicherlich nicht, die Handschrift von solipsistischen Elfenbeinkünstlern tragen die Stücke zumindest nicht. Die Distanz stand auch nicht im Weg: Die Songs wurden hin- und hergeschickt, jeder trug vom heimischen Studio aus seinen Teil zur Vollendung bei. Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stellen Tausende von Kilometern schließlich keine Hürde mehr dar. Aber irgendwie muss doch der Wurm drin gewesen sein – jedenfalls ein ganz kleines bisschen. In jedem Song sind ihre Macher wiederzuerkennen, mal stärker, mal schwächer. Von der daraus entstehenden Vielseitigkeit lebt Infinite Light Ltd. genauso, wie die Platte im Ganzen etwas darunter leidet, dass sie nicht von einem organisch zusammengewachsenen Kollektiv geschrieben wurde. Der Opener December 12 legt einen gänsehäutigen Ambient-Sound vor, der vom Folgesong nicht wirklich aufgefangen wird. Der Minimal Folk von Vision Of God In A Cowbarn knüpft nicht richtig an das Eröffnungsstück an, der Drone vom darauf folgenden Weather lässt dann endgültig keine erkennbare Linie mehr zu.

 

Die Stimmigkeit geht dem Album also ab. Das soll nicht heißen, dass es sich bei Infinite Light Ltd. um ein missglücktes Experiment handelt: Jeder Song ist ein wahres Meisterwerk, und selbst wenn es Amundson, Baker und Sweet nicht gelingt, aus den einzelnen Songs ein homogenes Album zu montieren, in den einzelnen Songs halten sie sich perfekt die Waage und trotz der problematischen Brüche zieht sich doch eine einheitliche Grundstimmung wie ein roter Faden durch die Kompositionen. Eine gewisse Melancholie kann man Infinite Light Ltd. jedenfalls nicht absprechen. Alles in allem bleibt ihr Debüt bei aller Problematik immer noch eine Sammlung von großen Songs – und hoffentlich nicht das einzige Album der Drei, so wahrscheinlich das leider sein mag. Schön wäre es, Infinite Light Ltd. wirklich zusammenwachsen zu sehen. Dann würden sich die kleinen Meisterwerke ganz natürlich zu einem wirklichen Opus magnum aneinanderfügen.


Flattr this

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...