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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:21

Toms Schnellgericht

19.05.2011

Süße Früchte oder faules Fallobst?

Lecker, jede Menge süßer Popfrüchte gibt es diese Tage zu ernten. Doch Vorsicht: Nicht alles auf einmal, da kann man schon mal Magenschmerzen bekommen. Frisch gepflückt von TOM ASAM.

 

Welche Art von Aufstand mag es wohl sein, den Ra Ra Riot mit The Orchard anstiften? Der Streik der Erntehelfer? Orchard ist der Obstgarten, und die Früchte sind hier gar all zu bunt und süß, wie bereits der einleitende Titelsong belegt. Boy besticht durch tolle Bassläufe, ansonsten sind es vor allem die fein ausgetüftelten String-Arrangements die aus den sommerlich lauen Popsongs herausragen. Bei Massachusetts frage ich mich, ob es wirklich nur der Songtitel ist, der mich an die Bee Gees erinnert. Oder hören wir eher eine Neonvariante von Fleetwood Mac? Das in den USA bereits 2010 erschienene zweite Album von Ra Ra Riot macht es einem nicht leicht. Zunächst erscheint alles zu seicht und oberflächlich. Mit wiederholtem Hören merkt man jedoch, dass mit Hilfe von Death Cab for Cuties Chris Walla und Rostam Ratmanglij von Vampire Weekend als Produzenten hier ein detailreiches Popalbum entstand, in dem man durchaus für längere Zeit neue Nuancen entdecken kann – und das trotzdem nicht voll überzeugt. Es ist wie im echten Leben: meist kauft man das makellose Obst aus dem Supermarkt und ist damit zufrieden. Irgendwann will man aber wieder einen wurmstichigen Apfel aus Omas Garten.

 

Doch wir bleiben im Supermarkt. Wir bleiben Kinder. Wir lassen uns vom Hochglanz-Electro-Psychedelic von ANR beglücken. Nicht die National Rifle Association (NRA) steckt dahinter. Die Jungs von ANR kommen aus Miami Beach und wollen eine Awesome New Republic ausrufen. Doch ihr Sound passt eigentlich auch bestens zum Bild, das wir vom alten Miami haben: bunt und kitschig. Stay kids ist ein wirklich tolles Pop-Album mit Anleihen bei MGMT, Empire of the Sun, Phoenix und TVOTR. Doch auch hier gilt: alles auf einmal tut nicht gut. Ein weiteres superprofessionelles Stück aktuellen US-Pops, der auf etwas beängstigende Weise immer und überall aus dem Boden sprießt und scheinbar mühelos die Geschmacksrichtungen der Saison bedient.

 

Der Traum von einer besseren Welt klingt auch bei der nächsten Band nicht nur im Sound an. Während wir den Aufstand und die geile neue Republik bereits kennen lernten, erinnern wir uns, dass es durchaus zu Beschuss aus eigenen Reihen kommen kann auf dem Weg in die schöne neue Welt. Friendly Fires benennen ihr Album auch noch Pala – Name der Inselutopie, die Aldous Huxley in seinem Buch Island beschreibt. Auch hier hören wir wieder hochglänzenden Pop der Sorte dicke und bunte Hose. Auf ihrem zweiten Album steuern die Briten dabei jedoch überwiegend den Dancefloor an. Zappelige Beats, flashige Analog-Synthies, catchy Melodien. Musik so bunt und flüchtig wie ein Papagei auf der Beachparty am Traumstrand.

 

Der Schriftzug Idiot Glee prangt auf einer Getränkedose auf dem Cover der gleichnamigen Einmann-Mission aus Kentucky. Idiotisches Vergnügen bereiten natürlich nicht nur zuckersüße Getränke mit fake Fruchtaroma, sondern auch immer wieder Brian Wilsons Pop-Zuckerstangen. An denen lutscht auch der 22-jährige James Friley, der sich hinter Idiot Glee versteckt. Seine Pets klingen sehr verspielt, bleiben aber nicht im Bubble-Gum stecken. »Spookily resonant piano-pop-wave« urteilt der Guardian durchaus passend. Pop und Ambient verschlingen sich zu einem seltsam hypnotischen Klang, der Erinnerungen an eine Kindheit weckt, die man nicht erlebt hat. Eine idiotisch glückliche Kindheit in der Obstplantage der geilen neuen Republik, in der man einen kleinen Aufstand machte, wenn einem die Engel die Pfirsiche mopsten.


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