Gewiss, es gab auch Berührungspunkte mit dem textlosen Jazzgesang etwa einer Urszula Dudziak, einer Norma Winstone, einer Jeanne Lee oder einer Lauren Newton, aber es war doch etwas ganz Eigenartiges. Songs of Ascension, 2008 entstanden, ist eine von Meredith Monk als Einheit gedachte Komposition für Vokalensembles, ein Streichquartett und drei Instrumentalsolisten sowie Meredith Monk selbst. Die 21 Teile wirken aber wie eigenständige Stücke, kleine Kompositionen in der Tradition von Webern, Bartók oder Satie. Der Eindruck wird durch die Tatsache verstärkt, dass sie sich stark von einander unterscheiden, eher im Kontrast als in einem Zusammenhang zu einander stehen. Der Bruch ist ohnehin eins der ästhetischen Mittel, derer sich Meredith Monk gerne bedient – in der Melodieführung ebenso wie in der Klanggestaltung oder im rhythmischen Verlauf. Monks Musik ist stets und so auch in diesem Werk in höchstem Maße gestisch. Man könnte behaupten, sie sei das musikalische Gegenstück zum Tanz einer Lucinda Childs.
Es ist ja eine junge Generation nachgewachsen, die erneut entdecken könnte, was es jenseits der gängigen Strömungen an aufregender Musik gibt. Uraufgeführt wurde das Werk in einem kalifornischen Hochhaus mit einer doppelten Wendeltreppe. Es müsste sich doch auch in Deutschland ein geeignetes Gebäude finden lassen. Dann fehlt nur noch die Einladung.

