Toms Schnellgericht
02.06.2011
Heiß serviert
So richtig in die Pfanne gehauen wird hier selten eine Band. Man will ja nichts verbrennen. Kurz scharf anbraten und genießen, empfiehlt TOM ASAM.
Aus dem Herzen von Berlin heraus agiert seit 2004 die Multikulti-Formation DATA MC, die mit dem Vorgängeralbum zumindest Teile der Kritikerschar schon zu begeistern wussten. Vielleicht schaffen sie es mit Mirror Mirror auch, ordentliche Verkaufszahlen zu erzielen. Die stimmige Mischung aus Electro, funky Grooves und mainstreamigen Hip Hop-Elemente., die hier serviert wird, verfügt zumindest über den nötigen Popappeal und Partyfaktor. Relaxte(potentielle) Sommerhymnen wie Fever oder Too Young to die gehen schnell in Ohr und Bein, über die gesamte Albumlänge von 13 Songs kommen DATA MC allerdings einen Tick zu poliert rüber.
The Pigeon Detectives zählten mit ihrem erfolgreichen Erstling Wait for me 2007 zu den erfolgreicheren Newcomern im Bereich Indierock – zumindest auf der Insel. Das Folgewerk ging komplett an mir vorbei – nun folgt schon Scheibe drei. Und wie bei so vielen Gitarrenbands, die sich in den Indierock-Wiedergeburtsjahrgangs 2005 einreihten oder in dessen Fahrwasser schwammen, muss man attestieren: the times are gettin´harder. Die Veröffentlichungsflut ist gnadenlos, die neuste Sau wird nicht mehr wöchentlich, sondern mehrfach täglich durchs Dorf getrieben – und man kommt kaum dazu, einem dritten Maximo Park/ Bloc Party / Arctic Monkeys oder The XY –Release wirklich eine Chance zu geben. Verpasst man was? Meistens nicht wirklich. Up, guards, and at ´em ist ein weiteres gutes Indierockalbum, von dem man so ziemlich jeden Track blindlings in die Abspielliste für den nächsten Indieschwof übernehmen kann. Bloß wird kein Mensch die Band raushören. Durchwegs ordentliches Album ohne erkennbare Individualität.
Als Math-Rock bezeichnet man landläufig, dass was das US-Kampfteam von Battles so fabriziert. Wahrscheinlich, weil man etwas mitzählen muss, wenn ungerade Taktarten und vertrackte Metren auf dem Programm stehen. Leider ist so was oft genau so sexy, wie der prototypische Mathe- oder Informatikstudent. Man kann den Mathrock von Battles durchaus als zeitgemäße Progrock-Variante sehen, einer Spielart, die allzu oft durch Muckertum, konstruierte Extreme und zu cleane Produktionen auffiel. Das wird und soll den Fan, der Spaß am überaus erfolgreichen Debut hatte, nicht abhalten. Auch wenn die Band durchaus eine eigene Note und mit Matias Aguayo, Gary Numan oder Kazu Makino tolle Gäste am Start hat: mir ist das über längere Distanzen etwas zu blutarm und humorlos. Da frickel ich lieber mit ner alten Primus-Platte oder lass Mike Patton ran. Aber so ein, zwei Songs zwischen rein….vielleicht brauchts hier einfach ein paar Durchläufe mehr. Anspieltipp: Futura. Oder Inchworm. Oder…verdammt, das kann schon was!
Andere Baustelle: Mads Langer hat nicht gerade den Popstarnamen, klingt aber von der ersten Sekunde an wie einer. Der Däne, der seinen Lebensmittelpunkt nach London verlegte und schon mit seiner Plattenfirma haderte, schaffte den Durchbruch ausgerechnet mit der Coverversion des Songs Youre not alone von Olive für eine bescheuerte best of 90´s Compilation. Ausgerechnet deswegen, da er selbst ein begnadeter Songwriter ist – aus den 90ern könnte sein eigenes Material auch stammen. Sagen wir so: es handelt sich um zeitlosen Singer-Songwriter-Pop, der in dieser Qualität eigentlich immer und überall ankam und ankommt. Zu so was bekennt sich der Musik-Nerd allerdings ungern; aber spätestens, wenn er allein im Auto sitzt, macht er den Radio dann doch lauter, wenn ein Song wie Riding Elevators oder Microscope kommt. Dann wird die CD der Freundin geschenkt, weil die ja so Kitschpop mag. Mit Langers Stimme zwischen Chris Martin und Jeff Buckley und einem Sack voller harmloser Pophits, die trotz upliftenden Tendenzen meist einen gewissen melancholischen Unterton transportieren, kann nichts schief gehen. Auch wenn ein wenig Schmutz unter den Fingernägeln doch wünschenswert wäre und das über Albumlänge nicht auszuhalten ist: Die Hallen können gebucht werden.
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