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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:30

AUN: Black Pyramid / VII

23.06.2011

Ambient 2.0: Music for spacenerds

Der Multimilliardär Charles Simonyi bezahlte anno 2007 noch 25 Millionen US Dollar für einen Flug ins All. Das kanadische Duo AUN bietet einen ähnlichen Trip an. Der ist zwar rein musikalischer Natur, kostet aber auf schmuckem Qualitätsvinyl wesentlich weniger. KRISTOFFER CORNILS über den dronigen Sci-Fi-Ambient der beiden Neuveröffentlichungen Black Pyramid und VII.

 

Songtitel wie Ursa Major, Ursa Minor und 2095 machen es mehr als deutlich: AUN haben sich nicht nur weit, weit entfernte Gefilde des Universums sondern auch glatt die Zukunft zum Ziel gesetzt. Das mag man als liebenswürdige Kauzigkeit belächeln oder jedoch durchaus etwas ernst nehmen. Denn im mittlerweile ziemlich angesagten Ambient- und Drone-Genre nehmen Martin Dumais und Julie Leblanc volle Fahrt auf in wortwörtliche progressive Gefilde. Die sorgsam arrangierten Layers des neuen Albums Black Pyramid sind dermaßen durchdacht aufeinandergeschichtet, dass die Synthiechöre und die rauschigen Drones sich unentwirrbar zu einem Amalgamat soundtechnischer Brillanz. Ein wirklicher Rhythmus ist einerseits nicht auszumachen, die oszillierenden Noisekapaden kommen ohne Beats aus. Andererseits ist die Dynamik trotzdem da, nicht nur in der Laut/Leise-Regulation, auch mit der Intensität, der Dichte der Arrangements und ihrer Bewegungen erzeugen AUN immer noch genug Spannung. Das ist schon Ambient 2.0, nur eben für Spacenerds, ein wahnsinniger Trip außerhalb öder Genrekonventionen und althergebrachter Hörerlebnisse.

 

Selbstverständlich muss solche Musik über Kopfhörer genossen werden, am besten direkt von Vinyl aus. Das deutsche Label Denovali ergänzt das außersphärische Klangprodukt durch ein optisches Meisterwerk und legt neben Black Pyramid auch noch gleich VII nach, welches bisher nur auf CD erhältlich war und in der neuen Version sogar mit vier satten Bonustracks aufwartet. Auf VII geht es noch etwas noisiger, lauter und zugleich straighter zu, auf den Tracks Falcon und Black Hole zum Beispiel legt sich sogar ein Drumcomputer auf die wohlige industrielle Kälte der Platte. Die sollte unbedingt zusammen mit Black Pyramid genossen werden. Das nicht nur, weil somit klarwerden sollte, wie abwechslungsreich man selbst ambientlastige Musik gestalten kann, sondern weil der folgende außerweltliche Trip billiger kommt als Simonyis Weltalltagestourismus und immer und immer wieder durchlaufen werden kann.

 



 

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