Istanbul steht für den spannenden Austausch zwischen europäischer und asiatischer Kultur. Zentrum der künstlerischen Kreativität ist dabei (wohl noch) das Szeneviertel Beyoglu, seit Jahren Anlaufpunkt der europäischen Wochenend-Jet-Szene – und Heimat von Baba Zula. Doch die Formation, die orientalisch fundierten Dub mit folkiger Psychedelik kombiniert, hat sich den Blick auch für Teile der Stadt bewahrt, die nicht im Zentrum des touristischen Interesses stehen. Gecekondu ist benannt nach dem wild gewachsenen Stadtviertel am Rande der Metropole, in dem Kreativität vor allem Dingen gefordert ist, um über die Runden zu kommen. Das brüchige Chaos solcher großstädtischer Wildwüchse entspricht dann schon nicht mehr so ganz den Vorstellungen hipper Metropolhopper. Die Musik von Baba Zula wiederum ist Crossover im positiven Sinne, der nicht viel mit der Vorstellung von »türkischer Musik« zu tun hat und weit über übliche Weltmusik-Klischees hinausreicht. Sie arbeiteten in der Vergangenheit bereits mit so illustren wie progressiven Künstlern wie Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten), Fred Frith oder Jaki Liebezeit (Can) zusammen. Auf Gecekondu werden sie unter anderem unterstützt von Asian Dub Foundation Mitbegründer Dr. Das und Nu-Jazzer Bugge Wesseltoft. Ihr Oriental Dub 2.0 ist absolut abwechslungsreich und kurzweilig. Neben Saz und anderen Saiten-Instrumenten kommen hier auch Percussions, Oszillator oder Theremin zu ihrem Recht. Bauchtanz-Rhythmen rammen Psychedlic Rock, Ney-Flöten erinnern an die Sufi-Tradition und an der Dub-Tafel wird mit dem Holzlöffel gefuttert, der an die schamanischen Wurzeln orientalischer Musik erinnert. Mut zur Brücke!