Popol Vuh der vagen Gattung des Krautrocks zuzuführen gibt eher eine zeitliche, denn eine stilistische Orientierung. Die 1970 gegründete Formation bezog sich erkennbar nicht an einer wie immer gearteten deutschen Musikvergangenheit. Man kann sie als progressive Rockband sehen, vor allem aber sind sie Pioniere elektronischer Ambientsounds, die sich auf den Einsatz von Synthesizern stützen. Der Bandname, der sich auf ein heiliges Buch der Maya-Kultur bezieht, passt bestens zur Musik, transportiert er doch eine gewisse, zeitlose Mystik.
Obgleich die Band im Vergleich zu Can oder Kraftwerk etwas vergessen zu sein scheint, haben sehr viele Menschen ihre Musik bereits gehört. Popol Vuh waren und sind prominent vertreten auf den Filmsoundtracks von Herzog/Kinski Filmklassikern wie Aguirre oder Cobra Verde. Zusammentreffend mit und im Gedenken an den zehnten Todestag von Bandgründer Florian Fricke werden zehn Highlights der Band von 1970 bis 1987 präsentiert, ergänzt um zwei bisher unveröffentlichte Bonustracks. Besonders interessant wird die Veröffentlichung jedoch durch die auf einer zweiten CD zu findenden Remix-Arbeiten jüngerer Elektronikmusiker, die sich von der mystischen Ausstrahlung der Originale beflügelt und beeinflusst sehen. »Popol Vuh haben mich in eine Welt voller Wunder und Erfurcht geführt« schwärmt Stereolab-Musiker Timothy Gane. Jan Werner und Andi Thoma von Mouse on Mars bezeichnen Vuhs Musik als »eine Messe für die mystische Freude an der Existenz an sich.«
Diese Veröffentlichung bietet eine hervorragende Gelegenheit, an dieser Messe teilzunehmen und die Musik in Original wie Re-Interpretation zu erleben. Ohne die übermächtige visuelle Präsenz eines Kinski für viele Hörer ein neues Erlebnis.