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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:31

Toms Schnellgericht

23.06.2011

Europop

Vom niederländischen Jungstar zum britischen Indie-Rave-Hype mit TOM ASAM.

 

Ist es mutig oder naiv, sich mit dem Namen Tim Knol und einem nicht weiter benannten Debutalbum ins Haifischbecken des Popbusiness zu begeben? Ein Album, das in einem Cover steckt, das dem Grundschul-Kreativwettbewerb mit dem Titel »unser Familienwappen« entsprungen scheint. Lesen wir es einfach mal als Hinweis darauf, dass es hier jemanden erstmal um die Musik geht. Tim taucht ein in eine Pop-/Rockvergangenheit mit Leuchttürmen wie Gram Parsons, Neil Young oder dem frühen Tom Petty. Er schreibt eingängige Popsongs, die die nötige Tiefe nicht vermissen lassen und von einem deutlichen Kenner- und Fantum bezüglich der Pophistorie zeugen. Interessanterweise kommt Knol aus den Niederlanden. Dort hat sein Debut wohl für einigen Wirbel gesorgt; dass dies im Ausland zu wiederholen ist, bleibt erfahrungsgemäß eher unwahrscheinlich. Vielleicht auch deshalb eine bewusst schlichte Präsentation nach außen hin. Wer eine gekonnte Umsetzung rootsträchtiger Popsongs in eine Gegenwart irgendwo zwischen Wilco und Ryan Adams schätzt, sollte dem Nachbarn seine Aufmerksamkeit schenken!

 

Der Brandenburger und Wahlberliner Sebastian Block ist ehemaliger Sänger und Bassist der Band Mein Mio. Nun zieht er solo weiter und fragt Bin ich du? Er positioniert sich dabei im schwierigen Feld zwischen Indiepop-Restverwertung und »neuen« Wegen, gepflastert von Musikinitiativen, Bandförderungen und Popakademien. In diesem Bereich häufen sich Ergebnisse, bei denen man gleichzeitig denkt: »das absolut radiotaugliche, deutsche Liedgut wird erträglicher« und »so was gab´s doch auch schon in weniger stromlinienförmig«. Man muss Sebastian Block so oder so attestieren, dass er ein Händchen für ein überdurchschnittliches Songwriting mit einem deutlichen Wiedererkennungswert hat – um nicht zu sagen: das wäre mir lieber an der Chartspitze als Unheilig.

 

Die Briten von Mazes entzücken auf ihrem Debut A thousand heys durch Gute-Laune-Fuzz-Pop mit der richtigen Brise jangliger Gitarrenpower. Solch unbeschwerten und gleichzeitig cleveren Umgang mit 60s-Erbschaften gab es wohl in größter Dichte in den ausgehenden 80er Jahren. Ein absolut überzeugendes Album, das aus der Prä-Nirvana-Zeit zu stammen scheint. Irgendwo zwischen den im gleichnamigen Opener gewürdigten Go Betweens, Pavement und Hüsker Du (oder eher Sugar)ist immer noch Platz für Songs die uns tausendmal ein begeistertes Hey! entlocken. Zeitlose, unprätentiöse Qualität aus dem Hause fatcat Records.

 

Nein, AutoKratz ist kein Produkt, das uns hilft, auf unseren vier Rädern leichter durch den nächsten Winter zu kommen. Da müssen wir uns schon selbst helfen. Das Londoner Duo AutoKratz hingegen lässt sich auf seinem zweiten Album Self help for beginners von mehr oder weniger großen Namen unterstützen. Peter Hook (Joy Division/ New Order) und Andrew Innes (Primal Scream) sind Gäste und ebenso deutlicher Hinweis auf die Vorbilder des aufgekratzten Sounds, wie die Acts, für die man schon Remixes angefertigt hat: Fischerspooner, Le Roux und Underworld. Nun wollen AutoKratz sich auch selbst als Artisten in die Liste der zwischen Electronic, Synthie-Pop und Rock agierenden Großen eintragen. Aber Namedropping hin, Querverweise her, bleibt Self help for beginners nur das, was das Cover verspricht: marktschreierische, aufgeblasene Oberfläche, lärmiger Durchschnitt. Ob man will oder nicht: Maximal der nächste Indierave-Hype.

 

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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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