Die Idee, Heavy Metal Songs in andere Klangsphären zu hieven ist im Jahr 2011 ungefähr so revolutionär wie die Neuerfindung von Pommes mit Ketchup. Ob heiß und fettig oder kalt und labbrig, knusprig oder matschig – immer irgendwie geil! Das polnische Quintett Baaba Kulka hat sich auf dieser CD dem Schaffenswerk des stoischen Metal-Fossils Iron Maiden angenommen und widerlegt dabei eindrucksvoll die Sinatra‘sche Weisheit It’s the singer – not the song. Bei knorken Songs ist das nämlich umgedreht. It’s the song – not the singer. Die alten Maidensongs verhalten sich wie die erfahrene Hafennutte. Nicht mehr wirklich frisch aber allzeit bereit, routiniert und jeder geht zufrieden nach Hause.
Baaba Kulka haben sich ursprünglich für einen Auftritt im Hard Rock Cafe Warschau als einmaliges Projekt gegründet. Dieser muss dann gleich so geil gewesen sein, dass eine Tour durchs Heimatland und diese Platte folgten. Maiden genießen in Polen, nach ihren Gastspielen zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, einen besonderen Status. Entsprechend haben sich die Baabas nur Songs aus der künstlerisch relevanten Schaffensphase der Britten bis ins Jahr 1988 rausgepickt. Dabei schrecken sich auch vor eher unbekannten Liedern wie To tame a land, Still life oder Prodigal son nicht zurück. Aber wie hört sich das Ganze nun an? Wie gesagt, Maiden Songs sind robust und schwer zu schänden. Hier wird der Sache in Form einer 70er Jahre Prog-Kombo zu Leibe gerückt. Progressiv meint also nicht rekordverdächtige 16tel Noten pro Sekunde, sondern keine Angst haben vor verschiedenen Stilen und Soundexperimenten. Analoge Klangwonne inklusive. Rock, Disco, Folk, Latin Sounds – alles kann, nichts muss. Wie auf St. Pauli. Und wenn bei The clairvoyant der Lambada zitiert wird, dann sollte auch der »trueste« Metaller sein Herz geöffnet haben.