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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:36

Toms Schnellgericht

07.07.2011

Die wohlige Wärme der Melancholie

Ein paar Kellen aus dem großen Kessel mit nahrhaftem Singer-/Songwriter-Eintopf – von TOM ASAM.

 

Für L.D. Brown, ursprünglich aus Pennsylvania stammenden Brooklyner, geht es musikalisch bergauf, seit er auf Jason Swinscoe traf. Der Kopf des Cinematic Orchestra nahm Brown vor einigen Jahren in selbiges auf und ermutigte ihn zudem zu Solotaten. Als Grey Reverend tritt uns Brown mit seiner Akustik-Gitarre entgegen und erinnert uns daran, wie schön eine graue Stimmungslage sein kann. Geschult in klassischen Akustik-Folk berührt uns der wahl-New Yorker auf Of the day mit unaufgeregten, aber großartigen Songs und einer tollen Stimme. Für alle die von Nick Drake über John Fahey bis Bill Fay und deren geistigen Söhnen nie genug bekommen, durchaus zu empfehlen.

 

Ein kurzer Weg ist es vom satten Grau zur Perfect Darkness. Fink (nicht zu verwechseln  mit der gleichnamigen deutschen Band) veröffentlicht auf Ninja Tune, einem Label, das man eher mit feinen elektronischen Klängen in Verbindung bringt. Der Brite, mit bürgerlichem Namen als Fin Greenall unterwegs, hat sich aber vom DJ und Produzenten zum waschechten Singer-/Songwriter entwickelt. Perfect Darkness ist bereits sein viertes Album, und sollte ihm doch endgültig zu größerem Hörerzulauf verhelfen – die Kritiker hat er seit Beginn hinter sich stehen. Ob auf dem cineastischen Fear is like fire, der überzeugenden ersten Singleauskopplung Yesterday was hard on all of us oder dem emotionalen Titeltrack: ein Songbook, das man von vorne bis hinten in der wohligen Wärme der Melancholie genießt. Einziger Kritikpunkt: etwas mehr stilistische Abwechslung täte dem Album gut.

 

Zum Wachwerden erst mal ein Pint of blood, so der etwas gruselige Titel der tief im Liedgut der 60s/70s verwurzelten Sängerin Jolie Holland. Diese ist nicht unbedingt die beste Sängerin around und versucht auch nicht, das Rad neu zu erfinden – sondern dürfe am ehesten Traditionalisten mit Freude an leichter Schrägheit ansprechen. Wer sich einen Neil Young vorstellen kann, der Towns von Zandt reinterpretiert (o.k. – van Zandts Songwriter-Qualitäten werden nicht erreicht!), oder Dinosaur Jr. auf dem Folktrip, wird hier leuchtende Augen und glühende Ohren bekommen.

 

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