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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:39

Zachary Cale: Noise Of Welcome

14.07.2011

Blick aufs Wesentliche

Zwischen all den verschrobenen Nietzsche-Look-a-Likes mit beginnender Halbglatze, den Hippie/Indianer-Modefetischisten, den überproduktiven fragilen Wunderkindern und den vollbärtigen Tätowierten in Flanellhemduniform scheint ein bestimmter Archetypus des Singer/Songwriter-Genres irgendwann ausgestorben zu sein: Der des netten, jungen Mannes von Nebenan, der einfach gerne Gitarre spielt und sich das eine oder andere von der Seele singt. KRISTOFFER CORNILS hat ihn in Zachary Cale wiedergefunden.

 

Dass Cale sich auf seiner neuen LP Noise Of Welcome allerdings bewusst von irgendwelchen Stereotypen abgrenzt oder an ihnen orientiert, kann man kaum sagen. Etwas zurückhaltend und angenehm wenig aufgesetzt kümmert sich der in Louisiana geborene Multiinstrumentalist viel lieber um Songwriting und Komposition. Auch die ist nicht unbedingt verhaltensauffällig angelegt und bedient sich durchaus bei dem einen oder anderen Standard. Zwischen sanftem Folk und treibenden Full-Band-Country finden sich allerdings einige Perlen und Abstecher in experimentellere Gefilde. Irgendwann tauchen Cale und seine vielen Gastmusiker selbst in psychedelische Gefilde ab und geben den zwölf Tracks kleine Wendungen und Überraschungen, die für die nötige Abwechslung wie Eigenständigkeit gleichermaßen sorgen.

 

Cales Stimme sticht nicht immer zwangsläufig positiv hervor, irgendwann droht das Näseln dann doch etwas zu viel zu werden. Umso besser, dass zur Auflockerung andere Stimmen hinzutreten (ganz grandios: Alfra Martini) oder überhaupt mal Schluss ist mit Gesang. In den leider etwas kurz geratenen Instrumentaltracks bleibt immer noch Raum genug für Cale, um vor allem mit virtuosem Fingerpicking seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, ohne dabei einen Jota an Gelassenheit zu verlieren oder sich allzu anstrengt zu geben. Sein drittes Album erfindet die Unaufdringlichkeit neu und büßt dabei trotzdem nicht an Hitpotenzial ein: Der Track Hello Oblivion (Link zur mp3 auf dem amerikanischen Label) ist genau die Art leicht melancholischer Folk-Pop-Hymne, die sich gleichermaßen im Radio wie auch auf verräucherten Wohnzimmerkonzerten bestens behaupten dürfte – vielleicht ja sogar über ein paar Jahre hinweg.

 

Das alles gepaart mit den ebenso narrativen wie lyrischen Texten sorgt für ein Album, das das Rad mit Sicherheit nicht neu erfindet oder in dem von Profilneurotikern bevölkerten Genre für wirklich viel Aufmerksamkeit sorgen wird. Stattdessen aber ist Noise Of Welcome ein wunderbares Singer/Songwriter-Album, das sich auf das Wesentliche konzentriert und sich nicht durch ein Übermaß an Exzentrik aufdrängt, weil es das gar nicht nötig hat.

 

 

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