Eine Beschreibung von Nursing Home, der zweiten Platte von Let's Wrestle aus Chicago würde wohl Ausdrücke enthalten wie: naive bis grenzdebile Texte, Schülerband-Songwriting, falsche Harmoniegesänge am Rande des Ertragbaren, technische Fähigkeiten mit viel Raum nach oben, Zumutung. Selbst wenn man eigentlich offen ist für die pubertär-naive Seite des Pop (Oasis-Vergangenheit) abseits all der arty Metaebenen, selbst dann fällt es zunächst schwer den Post-Punk-Pop von Let's Wrestle mehrere Minuten am Stück zu ertragen, ganz zu schweigen von Albumlänge! Spätestens nach dem dritten Song schmerzt der Kopf vom dauernden An-die-Wand-Schlagen, aber man muss sich irgendwie ablenken von den Schmerzen, die die Musik verursacht. »Das ist doch jetzt ironisch gemeint!«, denkt man sich ständig, aber nie ist man ganz sicher. Besungen werden die Probleme eines jungen Mannes in der Suburb und irgendwie klingen Let's Wrestle dabei immer wie drei Vierzigjährige in der Midlifecrisis, dabei sind sie selbst noch richtige Milchbubis.
Und so macht man während der halben Stunde Nursing Home immer mal wieder Bekanntschaft mit der totalen Verzweiflung, oft ist man kurz davor aufzugeben. Und als es dann endlich vorbei ist? Will man das Ganze gleich nochmal von vorne hören! Irgendwie haben es Let's Wrestle also doch geschafft, ihren kindlichen Charme spielen zu lassen. Waren es die ruhigeren Stücke am Ende? Wie gesagt, man kann nicht erklären, was der Witz an Let's Wrestle ist. Am besten fragt man Steve Albini, der muss viel Humor haben, denn der hat das Album produziert.
