Die Liste hörenswerter Künstler aus Frankreich, die in ihrer Heimat große Erfolge feiern, bei uns allerdings den Nimbus des Geheimtipps innehaben, ist lange. Cali, Jahrgang 1968, wuchs in einer italienisch-katalanischen Familie in Südfrankreich auf, und trägt den schönen bürgerlichen Namen Bruno Caliciuri. Weiß man, dass er ein ehemaliger Rugby-Spieler ist, erwartet man keine kuschligen Rotwein-Chansons von ihm. Und so schlägt er auch auf seinen vierten Soloalben eher rockige Töne an. Mit seinen bisherigen Alben erreicht er in seiner Heimat durch die Bank Gold- und Platinstatus. Was vielleicht daran liegt, dass der Rocker auch eine poetische Ader aufweist. »Das Leben ist eine Regenbogenforelle, die in meinem Herzen schwimmt« heißt das neue Album von Cali auf Deutsch. In seinen Liedern besingt er, wie die Produktinfo so schön formuliert, »in bester französischer Tradition die vielen Schrecklichkeiten und wenigen Wunder des Lebens.« Neben einer Hommage an Kultkicker Eric Cantona finden wir einen Liedgruß an den Minister der ausgebeuteten Familien und zerstörten jugendlichen Existenzen (Lettre au Ministre du saccage des famillles et des jeunes existences dévastées); und auch die Liebe darf dem Klischee entsprechend natürlich nicht zu kurz kommen. Ein interessanter Künstler mit Ecken und Kanten und einem eigenen Profil. Französischer Rock überzeugt unsere Ohren nicht allzu oft. Hier sollte man allerdings unbedingt mal reinhören. Tolles Album und guter Anlass, das eingerostete Schulfranzösisch mal wieder etwas.
