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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:41

Toms Schnellgericht - 22.07.2011

21.07.2011

Mut und Humor

MGMT-liebende Sommerhits, Subbässe und psychedelische Pferdescheiße von TOM ASAM.

 

 Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends bewirkte der Erfolg von Coldplay, dass plötzlich alles nach Coldplay klang, von der Supermarktbeschallung bis zum Fernseh-Werbespot. Die momentanen Pop-Rolemodels scheinen mir MGMT zu sein, deren Debut bis heute vielen Newcomern als Blaupause zu dienen scheint. So auch Foster the People; deren Song Pump up kicks 2010 über Blogs und Soziale Netzwerke zum Hit avancierte und der Band einen fetten Plattendeal einbrachte. Nun gibts Pump plus neun weitere Songs auch bei uns zu erstehen. Der letztjährige Sommerhit ist auch 2011 noch einer, über die komplette Spielzeit fehlt der Sache aber doch etwas das Profil. Da ist noch Luft nach oben.

 

Auch der talentierte Wohnzimmerproduzent Dave Hawke alias Memory Tapes aus New Jersey – geadelt durch diverse prominente Remix-Aufträge fischt in ähnlichen Gewässern. Nach seinem zwischen Chillwave und Disco positioniertem Debut steht diesmal die Melodie klar im Zentrum des Geschehens. Keyboards, Percussion und Gitarre bilden das Fundament, auf dem eine teils ins Falsett kippende, teils außerweltlich geisterhaft scheinende Stimme für bittersüße Momente sorgt. Player Piano scheint nebenbei gehört zunächst etwas belanglos, ist aber ein typischer Fall von Grower – und rechtfertigt mehrmaliges, aufmerksames Hören.

 

Travis Stuart war schon für mehrere Labels als Produzent und Musiker tätig, mit Room(s) ist er als Machinedrum erstmals auf dem ausgezeichneten Planet Mu gelandet. Stewart hat in der Vergangenheit verschiedene Bereiche der elektronischen Musik beackert und auch den Hip Hop gestreift. Und er wird nicht müde, neue Wege zu beschreiten. Sein detailverliebter temporeicher Popbastard vereint Footwork-Inspiriertes, Juke und Post-Jungle; Subbässe und schräge Beats kontrastieren mit warmen Melodien und in der Wiederholungsschleife landende Vocal-Samples. Anregend und entspannend zugleich. Psychedelic für das 21. Jahrhundert. Der Mann hats drauf und haut die Ideen nur so raus, langes Fackeln ist nicht sein Ding: »I feel like the energy of a song is lost the longer you spend working on it. This experiment in becoming less attached to my work essentially lead to a lot of songs that are connected sonically and aesthetically«.

 

Von wegen Psychelic: Es braucht schon eine gute Portion Selbstsicherheit und Humor um eine Band Psychedelic Horseshit zu nennen. Und welche Plattenfirma signt Pferdescheiße? Eine, die mutig genug ist. und Humor genug hat, sich fatcat zu nennen. Die Eklektiker aus Brighton verfügen ja über ein sahnemäßiges Künstler-Raster, zu dem unter anderem Animal Collective gehören, deren früheren Sachen einem beim Hören von Laced durchaus in den Sinn kommen können. Nur gehts hier noch schräger und irgendwie auch erdiger zur Sache. Mark E Smith mit My Bloody Valentine bekifft im Proberaum: Oder wie der NME adelt: »Psychedelic Horseshit are the shitgaze frontrunners.« Scheiße, ist die Scheibe stark!

 

 

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