Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:41

And So I Watch You From Afar: Gangs

21.07.2011

Ein dünnes und spaßiges Brett

And So I Watch You From Afar sind eine der am härtesten arbeitenden Rockbands überhaupt. Seit dem Release ihres Debüts vor zwei Jahren haben sie über 300 Konzerte gespielt und dabei weiterhin fleißig aufgenommen, unter anderem die grandiose The Letters EP. Auf Gangs toben die Nordiren ihre Frickelfreude erneut aus und lassen den Spaß nicht außen vor, aber den gewohnten Ideenreichtum vermissen. Von KRISTOFFER CORNILS.

 

Der massive Output, den ASIWYFA ungeachtet ihrer ständigen Verpflichtungen vorlegen, gefällt ihnen anscheinend selbst nicht immer. 22 Songs wurden für Gangs in Demoform aufgenommen und, vier Wochen vor Aufnahmetermin, verworfen. Aus einigen der übriggebliebenen Teile bastelte man kurzerhand vollkommen neue Songs, acht an der Zahl. Auf den ersten drei Tracks klingt das noch furchterregend monoton – Highspeedgenudel an der Gitarre, ab und zu zackige Riffs und ziemlich offensichtliche Songstrukturen sind nicht unbedingt das, was man nach der letzten EP The Letters erwartet hätte. Zwar führt die Band das dort bestens erprobte und für gut befundene Rezept des hyperaktiven Math Rock/Post-Rock/Hardcore-Hybriden fort; aber irgendwie wollen sich die Songs kaum voneinander unterscheiden. Zu überladen hetzen die nordirischen Derwische durch ihr Programm, quetschen in jeden Takt Sechzehntelläufe noch und nöcher, ständig unterlegt von dem zwar tighten, aber hektischen Drumming, das die Produktion dominiert. Dabei lassen sie leider den Masterplan außer Acht, der in der Gesamtheit der Songs offenkundig nur in Ansätzen besteht. Sicherlich lässt sich der erste Teil des Albums als eine Art Gesamtbewegung verstehen, aber so spaßig die ist, so wenig Halbwertszeit hat sie doch.

 

Mit 7 Billion People All Alive At Once dann werden dann ruhigere Gefilde betreten. Stampfende Indie-Rock-Beats werden mit Post-Rock-Monumentalität zusammengekoppelt. Die etwas lose aneinander gekittete Reihung der diversen Parts ermöglicht immerhin einige Überraschungsmomente. Think:Breathe: Destroy schlägt dann schon wieder in die etwas ausgefranste Kerbe der Eröffnungssongs, besticht aber durch käsige AC/DC-Reminiszenzen in der Gitarrenarbeit und vereint zum ersten Mal auf Gangs Strukturiertheit und unvorhersehbare Wendungen. Die zwei unter dem Obertitel Homes zusammenhängenden Ghost Parlor KA-6 to… und …Samara to Belfast verwirren durch den Dub-Einstieg gehörig und eröffnen damit das wirkliche Potenzial von ASIWYFA, deren größte Stärke immer noch in der Verstörung liegt. Schade, dass auch diese wieder in den zu häufig auftretenden Leitmotiven der Gitarrenarbeit untergeht und letztlich in den soundscapigen Ausklängen ohne wirklichen Nachhall aufseiten der Hörerschaft verebbt. Einen kleinen Trost bietet der Schlusstrack Lifeproof, der mit seinem Sambaoutro vielleicht die perfekte Parabel auf Gangs abliefert: Es ist ein Album, das Spaß macht, das hypernervös nach vorne prescht und sich in ekstatischen Zuckungen und Gefrickel hält. Erwartet man nicht mehr von der irischen Band als eine Party in verqueren Rhythmen, geht das prima auf, hat man noch die musikalische Komplexität und Durchdachtheit von The Letters vor Ohren, mangelt es Gangs doch zu sehr an Spritzigkeit, Witz und Ideenreichtum.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...