Biosphere liefert einen dezenten, weit weniger kühl als erwarteten Sound, der wie eine Kamerafahrt funktioniert, die mit häufigen Zitaten auf die Musik der Achtziger und glitchigen Elektroschnipseln ein schönes Finish erfährt. Würde man dem alten Bonmot folgend, das meistens Frank Zappa zugeschrieben wird, die Frage nach der Tanzbarkeit dieser Architektur stellen, wäre die Antwort eindeutig – kein Four-To-The-Floor, kein bisschen von dieser körperlichen Herausforderung, die allein der Begriff Techno schon immer an den Körper zu stellen scheint. Stattdessen sorgsam, wie Stück für Stück abfotografiert und später zum großen Bild vervollständigt, die einzelnen Motive, die sich auf einem meist gleich bleibenden Grundmuster ablösen oder umspielen, nie aber wirklich kontrapunktieren. Herausstechend sind höchstens die Sprachsamples auf Japanisch.
So viel angestrengte Exegese man auch betreiben wollte – eine Gefahr strahlen die neun Kompositionen nicht aus, es wird nicht mal der Angsttrigger Fukushima-Dai-ichi eingesetzt. Sollte Jenssen zu der Anlage Musik verfasst haben, er will mit der Katastrophe, die im März ihren Anfang nahm, nicht hausieren gehen. Selbst wenn er zugibt, mittlerweile gefragt zu werden, ob er denn die Zukunft voraussagen könne. Könnte er das allerdings, vielleicht hätte er einen anderen Zeitpunkt gewählt, um N-Plants zu schreiben. Denn so wird er leider nicht überall als der Schöpfer eines gleichermaßen genialen wie geglückten intermedialen Experiments oder der Komponist eines unendlich organischen möglichen Meilenstein des Ambient Techno gefeiert, sondern könnte Opfer der Schlagworte werden, die sich unweigerlich aufdrängen, ist von Japan und Atomkraftwerken die Rede.
