Kopfmusik, das kann man wohl unterschreiben. So will es bei Jazz nicht nur das Klischee, so führt es der internationale Vierer (Wohnorte sind England, Frankreich und Kanada) in die Praxis. Lab ist entweder aleatorischer Hintergrundsoundtrack oder aber kognitives Erlebnis. Die wilden Improvisationsparts erleben ein ums andere Mal eine Auflösung in klare Strukturiertheit wie im Opener Caffeinated Drinks oder tanzen mit all ihrer Atonalität und den häufig gegeneinander versetzten Rhythmen im eigenen Radius solange herum, bis sich von Fuß bis Vorderlappen alles unentwirrbar verwickelt hat.
In den besten Momenten – erfreulich viele gute gibt es, das ist nicht zu leugnen – überraschen Splice mit unvorhersehbaren Stil- und Strukturbrüchen, die eine Spannung erzeugen, die sich selbst wieder auffängt, wenn von der absoluten Entgleisung in swingähnliche Momente übergeleitet wird. In den schlechteren allerdings mag sich das Quartett vielleicht mehr gedacht haben, als die wilde Kakophonie noch herüberbringen kann. Die Verbissenheit, mit der die zweifelsohne technisch vorzüglichen wie talentierten Noise-Jazzer, stellenweise agieren, hätte etwas mehr Drosselung und mehr Drang zur Direktheit erfahren sollen. So bleibt Lab wirklich noch Experimentierfeld im Experimentellen. Ein bisschen lockerer Spirit wäre da wünschenswert, so wie es Saxofonist/Klarinettist Robin Fincker in seiner Kurzvita vormacht. Die beschränkt sich schließlich auf ein herrlich unverkopftes »blabla«. Genau!