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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:42

Jóhann Jóhannsson: The Miner´s Hymns

22.09.2011

Wenn Trompete, Orgel & Co Trübsal blasen

LIA DOLFUS braucht den gleichnamigen Film zu Jóhann Jóhannssons Soundtrack The Miners´Hymns nicht zu sehen, um ergriffen zu sein. Emotionen und Bilder entstehen bei diesem Meisterwerk ganz von alleine!

 

»Wieder so ein Alleskönner«, muss ich neidlos und den imaginären Hut ziehend über sagen.  Der 1969 geborene Isländer tobt sich in so ziemlich jedem Gebiet aus, das die visuellen und auditiven Künste vereint, und brilliert mit jedem Werk ungeniert. Jóhannsson ist Musiker, Komponist und Produzent. Er ist Mitbegründer des in Reykjavik ansässigen Labels Kitchen Motors, das sich spezialisiert hat – auf eigentlich alles. Organisation verschiedener Kollaborationen, Performances, Kammer-Opern, Bücher, Filme ... - die Liste ist schier endlos und bunt gemischt.

 

The Miners' Hymns ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Workaholic Jóhannsson und dem nicht weniger strebsamen, hoch angesehenen Experimental-Filmemacher Bill Morrison (Decasia, 2002), (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Simpsons-Zeichner!). Veröffentlicht wurde das Album am 29.07.2011 beim Label FatCat.

 

Passend zum unkonventionellen Jóhannsson ist auch sein Vorgehen beim Erzeugend dieses Soundtracks. So hatte er bereits den Großteil der Musik geschrieben, bevor Morrison überhaupt mit der Arbeit am Film begann. Dementsprechend hat letzterer das komplette Filmmaterial anschließend auf Jóhannssons Musik zugeschnitten, ihm das Ganze geschickt, und so nahm ein längeres Hin- und- Hersenden des Materials seinen Lauf, bis beide Perfektionisten ruhigen Gewissens ihr OK gaben.

 

In die oft dargestellte Tristesse der Welt der englischen Minenarbeiter, deren Kampf ums Überleben und gegen die Gewerkschaften, versetzen den Hörer dieses absolut gigantischen Werkes ein sechzehnköpfiges Blechblasinstrumenten-Ensemble, das begleitet wird vom gebürtigen Niederländer Robert Houssart an der soundtechnisch perfekt harmonierenden und höchst imposant klingenden Durham Cathedral Orgel. Und genau dort, in der Durham Cathedral in – na wo wohl – Durham, einer Stadt im Nordosten Englands, die für ihre Minen und ihre Kathedrale bekannt ist (nicht zuletzt weil dort Teile der Harry-Potter-Filme Stein der Weisen und Die Kammer des Schreckens gedreht wurden), wurde The Miners' Hymns aufgenommen und an zwei Abenden im Juli 2010 live aufgeführt. Separiert von Ensemble und Orgel machte Jóhannsson Aufnahmen von subtilen Elektro-Sounds, deren Klang durch die in der Kathedrale entstehenden Echos verfremdet und noch sphärischer wurde.

 

Es ist schwer in Worte zu fassen, was Jóhann Jóhannssons The Miners' Hymns bietet. Es ist mehr ein Fühlen als ein Hören. Selten fröhliche Melodien, überwiegend düstere, sämige Schwere. Ein kaum hörbares, flüsternderndes Unbehagen, das sich unheimlich, beängstigend steigert zu einem bestialisch-kämpfendem Gebrüll: The Miners`Hymns ist ein emotionales Kunstwerk, das keine filmischen Bilder braucht, um eine Geschichte zu erzählen.

 

 

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