Dieses Orchester der etwas anderen Art nutzt frisch aus Gemüse gearbeitete Instrumente für die Erschaffung neuer Klangwelten, die auch live aufgeführt werden. Solo hat das umtriebige Multitalent, das seinen Lebensunterhalt wohl mit Soundtrackarbeiten und Soundinstallationen bestreitet, nun Songs für William geschrieben. Who the fuck is… fragt sich der potentielle Hörer und kommt dem Namensträger doch nicht auf die Spur. Es handelt sich weder um einen Verwandten noch einen verstobenen Künstler, nein William ist der Name eines Gitarren-Effektpedals. Das wiederum spielt auch eine Rolle im Comic-Novel William and the confessions of a stompbox, dessen erstes Kapitel der CD beiliegt (in der mir vorliegenden Vorab CD jedoch leider nicht inbegriffen ist).
Doch bei allem, was wir über Ulrich Troyer nun erfahren haben, dürfte klar sein, dass der vorliegende Tonträger auch ohne graphische Unterfütterung spannend sein dürfte. Die Songs for William spiegeln eine fundierte Auseinandersetzung mit den Mitteln und Wegen des Dub wieder. Troyer hat mit Sicherheit eine Menge relevanter Veröffentlichungen von Legenden wie King Tubby bis zu aktuellen Dub-Verehrern wie Moritz von Oswald aufgesogen. Seine Soundentwürfe verfügen über eine eigene Handschrift, die sich nicht nur auf jamaikanische Wurzeln bezieht, sondern auch experimentelle Elektronische Musik und Minimal miteinbezieht. Statt Gurken und Rettichen hören wir analoge Synthesizer, Instrumente und Effektgeräte blubbern, knacken und knistern. Die acht instrumentalen Stücke bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen künstlerischem Anspruch und unverkrampftem Hörgenuss. Ob Gemüseliebhaber oder nicht: den Namen Ulrich Troyer sollten Sie sich merken!