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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:45

Ulrich Troyer: Songs for William

28.07.2011

Experimenteller Dub

Beziehungstragödie: Österreicher verlässt Gurke wegen Effektgerät. Ein Tipp von TOM ASAM aus dem Land, das statt einer Krone nur noch eine Kronenzeitung hat – und tolle Künstler.

 

Ulrich Troyer ist ein Name, der wohl wenigen geläufig sein durfte. Der gebürtige Tiroler hat Architektur und Musik studiert und agiert seit Jahren von Wien aus als Musiker und Künstler. Auf interessante Weise scheint er all seine Steckenpferde  mit der Veröffentlichung  Sehen mit Ohren aus dem Jahre 2007 verbunden zu haben. Hier geht es um die Wahrnehmung von städtischem Raum und Architektur…(der Satz würde jetzt wohl weitergehen: …aus Sicht von, was die extreme Ausrichtung unserer Gesellschaft auf das Visuelle, ähh… veranschaulicht; bloß geht es hier um die Wahrnehmung der Umgebung von blinden Personen.) Ein schönes Beispiel dafür, dass im Musikalischen Bereich längst nicht alles ausgereizt ist, wie oftmals behautet wird. Und dafür, wie man experimentellen Spirit mit Humor verbindet, ist The Vegetable Orchestra aus Wien, dem Troyer ebenfalls angehört.

 

Dieses Orchester der etwas anderen Art nutzt frisch aus Gemüse gearbeitete Instrumente für die Erschaffung neuer Klangwelten, die auch live aufgeführt werden. Solo hat das umtriebige Multitalent, das seinen Lebensunterhalt wohl mit Soundtrackarbeiten und Soundinstallationen bestreitet, nun Songs für William geschrieben. Who the fuck is… fragt sich der potentielle Hörer und kommt dem Namensträger doch nicht auf die Spur. Es handelt sich weder um einen Verwandten noch einen verstobenen Künstler, nein William ist der Name eines Gitarren-Effektpedals. Das wiederum spielt auch eine Rolle im Comic-Novel William and the confessions of a stompbox, dessen erstes Kapitel der CD beiliegt (in der mir vorliegenden Vorab CD jedoch leider nicht inbegriffen ist).

 

Doch bei allem, was wir über Ulrich Troyer nun erfahren haben, dürfte klar sein, dass der vorliegende Tonträger auch ohne graphische Unterfütterung spannend sein dürfte. Die Songs for William spiegeln eine fundierte Auseinandersetzung mit den Mitteln und Wegen des Dub wieder. Troyer hat mit Sicherheit eine Menge relevanter Veröffentlichungen von Legenden wie King Tubby bis zu aktuellen Dub-Verehrern wie Moritz von Oswald aufgesogen. Seine Soundentwürfe verfügen über eine eigene Handschrift, die sich nicht nur auf jamaikanische Wurzeln bezieht, sondern auch experimentelle Elektronische Musik und Minimal miteinbezieht. Statt Gurken und Rettichen hören wir analoge Synthesizer, Instrumente   und Effektgeräte blubbern, knacken und knistern. Die acht instrumentalen Stücke bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen künstlerischem Anspruch und unverkrampftem Hörgenuss. Ob Gemüseliebhaber oder nicht: den Namen Ulrich Troyer sollten Sie sich merken!

 

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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
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21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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