Das perfekte Klangerlebnis
Die beiden von Berlin aus agierenden Vertreter zeitgenössischer Elektronik, Ricardo Villalobos und Max Loderbauer haben sich mit dem ECM-Katalog beschäftigt und hierbei viel über das perfekte Klangerlebnis gelernt. Über die Arrangements und den Umgang mit Frequenzbereichen bei modernen Jazzproduktionen sagen die beiden: »Hier wird das Niveau vorgelegt, welches wir als Elektronik-Musiker erreichen wollen.« Eine Ausschöpfung des vollen Frequenzspektrums (20-20.000 Hz) können sie bei ihren eigenen Produktionen anstreben. Im Raumklang ist die elektronisch erzeugte Musik jedoch limitiert. Deshalb schien es Villalobos, dem Initiator des Projektes, auch so reizvoll, Samples von ECM-Produktionen zu bearbeiten. Denn der Klang und die organische Entfaltung, die Tiefe des Raumes, kommen hier besonders gut zur Geltung. Manfred Eicher, ECM-Gründe und Produzent erkannte die Ersthaftigkeit des Interesses und die Möglichkeiten, eine Verbindung zweier Musikwelten zu schaffen.
So bekamen Villalobos und Loderbauer den Zugriff auf den gesamten ECM-Katalog und alle Freiheiten bei der Auswahl der Stücke zugestanden. Da sie allerdings nicht auf die Einzelspuren der Originalaufnahmen zurückgreifen konnten, beschränkte sich die Auswahl auf Passagen, bei denen Instrumente, Stimmen oder Atmosphären frei im Raum stehen. Diese –generell eher sparsam instrumentierten – Parts wurden zu Soundschleifen verarbeitet und dienten als Grundbasis für elektronisch erzeugte Klänge, die mit Hilfe eines Live-Mischpultsystems mit Modularsynthesizer erzeugt wurden. Spontanität und Intuition standen bei der Verbindung des akustischen Ausgangsmaterials mit der Welt der Maschinen im Vordergrund. Die Vereinigung zweier Systeme sorgt hier für atemberaubende Resultate. Die Raumatmosphären der Originalproduktionen werden mit aller gebotenen Sorgfalt um neue Klangeindrücke erweitert. Dieses Experiment ist sogar über die Laufzeit zweier CDs vortrefflich gelungen. Bei der Auswahl der Ausgangsmaterialien landete man übrigens nicht unbedingt bei den bekanntesten Künstlern. Wiederholt verwendet wurden Loops von Stücken des Christian Wallumrod Ensembles und Alexander Knaifel.