Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:47

Jonathan Jeremiah: A solitary man

19.08.2011

Jobben für die Zeitreise

Vor allem klanglich überzeugendes Debutalbum eines Briten, der einer fernen Zeit entsprungen scheint. Von TOM ASAM.

 

Man hört das sofort. Hier ist jemand einen langen Weg gegangen. Jonathan Jeremiah hat sich Zeit für sein Debütalbum gelassen. Vor Jahren schon ist er in die USA gereist um an der Westküste die alten Helden der 1960er aufzuspüren – oder deren Nachfolger, ihre Geister oder den Spirit einer längst vergangenen Epoche. Da war er wohl nicht der Erste, der feststellen musste, dass davon nicht mehr viel übrig ist. Erfahrungen hat er dabei sicher gesammelt – und erste Songs geschrieben. Zurück auf der Insel waren es zwei Entdeckungen, die ihn seinem Ziel näher brachten. Das analoge Studio in Dollis Hill und die Musiker vom Heritage Orchestra, einem jungen Ensemble, das seinem Soundbild voll entgegenkommt.

 

Nachtschichten bei einem Sicherheitsdienst brachten Jonathan das nötige Kleingeld, um seine Songs nach und nach in Eigenregie aufzunehmen. Hier eine Nacht für einen Geiger, da ne Schicht für den Kontrabassisten. Das Ergebnis ist ziemlich beeindruckend. So wie der Musiker selbst, scheint auch die Musik direkt aus einer 40 Jahre alten Zeitfalte ums Eck gekommen zu sein. Mit Streichern und Bläsern verstärkte Songs in deren Mittelpunkt stets Jeremiahs tolle, tiefe Stimme steht. Trotz einer stellenweise spürbaren Opulenz bleibt aber stets genug Raum zwischen den Noten, um einem in der melancholischen Atmosphäre nicht die Luft zu rauben. Das Ganze klingt tatsächlich wie eine vergessene Aufnahme aus den Glanzzeiten der Popmusik, als Einflüsse aus Folk, Soul und Jazz oftmals wie selbstverständlich in einen guten Popsong mit einflossen. Produktionstechnisch stehen Motown und Mister Spector als Paten zur Verfügung, von der Musik fühle ich mich deutlich an Scott Walker zur Zeit seiner – songorientierten – frühen Solowerke erinnert. Damit sollte der solitary man doch schnell eine Gefolgschaft um sich scharen.

 

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...