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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:49

Toms Schnellgericht

25.08.2011

Familientreffen

Tante Renate, Erlands Kumpel Erland, einer aus der Seeed-Saat und eine vom Boygroup-Member zum Fusionjazz-Lover mutierte Cat. Von TOM ASAM.

 

Der Tante Renate erinnert mich natürlich sofort an den Oma Hans. Renate allerdings bollert nicht mit Gitarren, sondern malträtiert Synthies mit nervender, metallischer Brachialität. Was vollmundig als »feverish techno record« angepriesen wird, erinnert eher an so manche Acts zwischen falsch verstandenem Industrial und EBM, die Anfang der 90er zuhauf im Umlauf waren. Das Album ist ein Angebot an jeden H4XX02 (Hacker), da darauf angeblich links zu älteren Tantentracks und unveröffentlichtem Material versteckt sind. Für Musikliebhaber taugt das eher weniger, man kann dazu nicht wirklich tanzen – zum konzentrierten Anhören ist es zu nervig, ohne innovativ zu sein.

 

Ralph Myerz heißt eigentlich Erlend Sellevold – sein Vorname erinnert uns natürlich gleich an Erlend Oye von den Kings of Conveniance. Und tatsächlich kommen die beiden, wie auch Röyksopp, auch noch aus dem gleichen Kaff, dem norwegischen Bergen. Mit Outrun legt Myerz eine entspannte Sommerplatte vor, deren starke Discowurzeln sehr laid back, dubby und relaxed rüberwachsen. Man hört, dass er sich auf langen, nächtlichen Autofahrten durch Kalifornien vom Programm des late night radios hat inspirieren lassen. »Sounds like DJ Sneak working with Salsoul Orchestra while mixed and produced by Mad Professor

 

Ziemlich bunt ist der musikalische Werdegang von Stephen Bruner alias Thundercat. Mit vier Jahren begann Bruner Bass zu spielen, mit 15 hatte er (auch) in Deutschland einen Hit mit der Boyband No Curfew, um dann zu den Suicidal Tendencies zu wechseln! Deren vormaliger Bassist Rob Trujillo wiederum landete ja bekanntermaßen im bestbezahltenTarumrentnerdasein bei Metallica. Mit The golden age of apocalypse präsentiert uns Thundercat nun sein cooles Debutalbum, bei dem ihm nicht nur namhafte Musiker wie Erykah Badu oder sein Grammy-behangener Bruder Ron, der auch schon als Drummer bei den Tendencies tätig war! Entscheidend ist wohl aber der momentane Überhipster Flying Lotus, dessen Produzentenjob diesem Album den nötigen Schub verleihen wird. Der Versuch, klassischen Fusion Jazz mit zeitgenössischen elektronischen Elementen zu verbinden ist zwar gelungen, wirkt aber nicht so stringent in ein Zukunftskonzept umgesetzt wie Lotus eigene Arbeiten. Zwar stellt er auch Bezüge zu den Arbeiten seiner Tante Alice Coltrane aus den 70ern her, diese geraten allerding niemals in die Nähe eines Retro-Stempels. Mutant Jazz Cat Bruners Bemühungen sind eher zeitlos als futuristisch, aber durchaus gelungen!

 

Demba Nabeh aka Boundzound entspringt der Seeed-Familie und will mit seinem neuen Soloalbum in unser Ear. Der geschliffene, seichte Sound ist eine Art mutierter, poppig-funky Dancehall mit Eurodance-Unterfütterung, der den Charme und die Hitqualitäten des Mutterschiffes Seeed leider zu keiner Zeit erreicht.

 

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