Man mag darüber streiten, ob David Oistrach oder Yehudi Menuhin, Nathan Milstein oder Jascha Heifetz, Fritz Kreisler oder Isaac Stern, Leonid Kogan oder Dmitri Sitkowetski, Gidon Kremer oder Anne-Sophie Mutter der bedeutendste Geiger (bzw. die bedeutendste Geigerin) des 20. Jahrhunderts war. Bei den Cellisten wird die Auswahl enger. Am Ende wird man sich zwischen Pablo Casals und Mstislaw Rostropowitsch entscheiden müssen. Vielleicht kommt noch André Navarra hinzu. Nennen wir noch, wegen ihrer Verdienste um die zeitgenössische Musik, Rudolf Kolisch bei den Geigern und Siegfried Palm bei den Cellisten. Das war's aber dann schon. Ein paar sind nachgewachsen, die auf dem Weg sind, im 21. Jahrhundert das Format der Genannten zu erreichen, aber zu frühes Lob verdirbt den Charakter.
Die kleinere Zahl genialer Cellisten entspricht dem engeren Repertoire für das Cello. Es stand stets im Schatten der Violine. Und so bleibt auch heutigen Cellisten meist nichts anderes übrig, als die wenigen Cello-Konzerte der klassischen Literatur stets aufs Neue zu interpretieren. Einige davon zählen freilich zum Schönsten, was die Musikgeschichte hervorgebracht hat. Und so wird man nicht müde, sie immer wieder zu hören, wenn sie etwa von einem Mischa Maisky, dem Meisterschüler von Rostropowitsch vorgetragen werden.
Die bekanntesten Cellokonzerte – von Haydn, Schumann, Dvorák und Saint-Saëns, ferner von Elgar und, für Rostropowitsch komponiert, von Schostakowitsch –, ergänzt mit Cellowerken von Tschaikowski und Chatschaturjan, interpretiert Rostropowitsch, von der BBC in den sechziger Jahren live aufgenommen, auf drei CDs, die jetzt als Box erhältlich sind. Das Konzert des Tschechen Dvorák, von dem Rostropowitsch unzählige Aufnahmen gemacht hat, wurde am 21. August 1968, an dem Tag, an dem russische Panzer in die Tschechoslowakei gerollt waren, von einem sowjetischen Orchester mit einem sowjetischen Dirigenten und einem sowjetischen Solisten gespielt.