Selbst als klassisch ausgebildete Bratschistin hat man es in Musikerkreisen nicht ganz einfach. Das Streichinstrument steht lange nicht so im Vordergrund wie ihre kleine Schwester, die Geige. Die Sexyness eines Cellos erreicht sie ebenfalls nicht. Wenigstens ist die Viola nicht so unhandlich wie der Kontrabass. Aber was soll man machen, wenn man als Dreijährige keine Puppe, sondern ein Stück hohles Holz in die Hand gedrückt bekommt? Von nun an heißt es, üben, üben, üben und 20 Jahre und einige Umzüge später ist die junge Frau bei Steve Albini und in Chicago angekommen.
Anni Rossis erstes Album wurde vom Altmeister selber produziert. Beim Zweiten – in New York aufgenommen und jetzt veröffentlicht – führt sie gemeinsam mit Devin Maxwell die Regie. Auf Triogröße gewachsen produziert Anni Rossi ihre Stücke mit mehr Struktur und vielen subtilen Stilrichtungen zwischen Pop und Dance. Schlagzeug und Bass bilden das Rhythmusfundament, auf dem sich die Bratsche mit allen denkbaren Klangerzeugungstechniken ausbreiten kann. Meist verfremdet und nicht als klassisches Streichinstrument erkennbar, emanzipiert sich die das Instrument aus der zweiten Reihe als ideenreiche Anführerin.