Von der ersten Klavierakkordfolge des Openers Pneumothorax an spart das englische Quintett nicht mit dunkelromantischer Traurigkeit. Eine Zeile wie »You will burn alone / this time« eicht schon auf den 50-Minuten-Trip durch die sonnenabgewandte Seite des Lebens. Vor allem der Gesang jedoch ist bemerkenswert: Nicht nur, dass Repetitions die beste Leistung des Blueneck-Frontmanns Duncan Attwood seit Beginn der Band verzeichnet; das Zusammenspiel von Stimme und Musik ist nahezu perfekt abgestimmt. Mal übernehmen die Streicher oder die getragenen Klavierakkorde, und wenn nicht die Band in ihre beeindruckenden Tutti verfällt, dominiert der fast gehauchte aber trotzdem kraftvolle Gesang mit seinen ruhigen und reduzierten Melodien den Sound.
Auch der ist ausgereifter geworden im Vergleich zu den Vorgängeralben. Ob das wirklich daran liegt, dass die Band Landflucht betrieben hat und nach Bristol ins Bink Bonk-Studio gegangen ist, bleibt wohl eher zweifelhaft. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass sowohl die 18monatige Aufnahmezeit einigen Anteil an der musikalischen Dichte von Repetitions haben dürfte. Fast undurchdringlich ist die Atmosphäre der neun Songs, die, so pompös sie doch sind, kaum überflüssigen Speck aufweisen – die warme Produktion tut da selbstverständlich ihr Übriges. In aller Ruhe, und doch ohne auszuufern, entwickeln Blueneck ihre feinsinnigen Kompositionen, die die Schnittmenge von Orchesterpop und Post-Rock ausloten. Das ist kein wirkliches Novum, sondern eigentlich schon ein ziemlich herkömmliches Prinzip. Die Briten rebellieren aber nicht gegen die Genrekonventionen, sie bleiben sich selbst treu und geben herzlich wenig auf Form- oder Positionierungszwang. Da bleibt jeglicher falsche Pathos auf der Strecke.
Das verleiht dem Album eine Authentizität, die noch das Tüpfelchen aufs I setzt. Denn, bei aller Vergeistigung muss man es auch einfach mal deutlich aussprechen: Blueneck machen wunderschöne Musik. Etwas für abends bis spätnachts, einem Glas bis einer Flasche Rotwein, allein oder zu zweit. Die melancholische Grundstimmung, die von den ersten Klavierakkorden an die Songs durchzieht, wird von Blueneck mehr als grandios gehandhabt – ganz unverkrampft und in seiner Aufrichtigkeit endlos erfrischend.
