Ganze fünfzehn Minuten braucht das Trio, damit Beginning seinen streicherverzierten Introcharakter verliert und etwas – das ist, spricht man von solchen Stilrichtungen, sehr relativ – in Fahrt kommt. Das anschließende End nimmt sich ebenso lang Zeit, ganze vier Minuten wird das Stück von hintergründigen Drones beherrscht, bevor Gitarre und Schlagzeug ganz langsam die Bühne betreten. Vor nicht einmal zwei Jahren hatte die in Gelsenkirchen gegründete Band mit den zwei Stücken debütiert und liefert eine verschwindend gering scheinende Zeit später – denn auch das muss man bei durchschnittlichen Songlängen von um die zwanzig Minuten relativ sehen – bereits eine Doppel-CD ab, die neben den Tracks der brandneuen Split mit N die gesamte Schaffensphase Kodiaks abdeckt. Da wären noch die Zusammenarbeit mit den kanadischen Tausendsassas von Nadja sowie die Kollaboration mit Black Shape Of Nexus.
Grundgerüst ist immer die metallische Spielrichtung des Drone/Doom, die andernorts eine fast beunruhigende Salonfähigkeit erreicht hat. Doch selbst wenn Kodiak auf den sieben versammelten Tracks sehr häufig in die übliche Trickkiste des Genres greifen, verstehen sie ihre Wurzeln nicht als Blankoscheck. Stattdessen experimentieren sie – langsam, das versteht sich – vor sich hin, lockern die bedrückende Endzeitatmosphäre mit interessanter Melodiearbeit auf, inkorporieren durchaus mal untypische Elemente in ihren Sound. Dabei bedienen sie sich zwar noch in weitestgehend affinen Bereich, denn Noise-, Ambient- und Soundscape-Versatzstücke gehören fast schon zum Usus. Da es der Band an Witz und Eigensinn jedoch nicht mangelt, entfaltet sich die Musik zum Gänsehauttrip. Wenn da ein einziger Gitarrenakkord schon in den oberen Bereichen der Richter-Skala rumdröhnt, bewirkt das zusammen mit dem einfach aber effektvoll gehaltenen Schlagzeug eine immense Körperlichkeit. Der Sound Kodiaks drückt aufs Gesicht, durch die Gehörgänge direkt auf den Vorderlappen, runter ins Nervenkostüm.
Kodiak lassen aller Langwierigkeit zum Trotz keine Langeweile aufkommen. Selbst, wenn die Songstrukturen nur im Fünfminutentakt Änderung zulassen; selbst, wenn manchen Songs die Drone/Doom-Herkunft noch zu sehr ins Gesicht geschrieben steht: Die Retrospektive ist sehr vielversprechend und dankenswerterweise nur eine vorläufige. Für das folgende Jahr ist eine Albumtrilogie vorgesehen – man darf gespannt sein, zumal nach den ätherisch-schwebenden Klängen der letzten Songs, Radon und Xenon von der Kollaboration mit N. Die grummeln und flirren sich in den Blutkreislauf, dass es eine Freude ist – und das jetzt einmal gar nicht relativ gesagt.