Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:52

Phallus Dei: Love, With The Tiniest Red Torch Branded To Your Heart

05.09.2011

Nicht-Album!

Phallus Dei veröffentlichen mit Love, tith the tiniest red torch branded to your heart ein Album, zu dem sie nur einen einzigen Song beigetragen haben. Das soll weder heißen, dass das Synthie-Kraut-Ambient-Trio sich in einer einzigen Komposition verlieren oder gar sich mit jedem Song wiederholen würde. Stattdessen nämlich widmen sich sechs andere Acts einem ihrer Songs. KRISTOFFER CORNILS über ein Album, das also so eigentlich keins ist.

 

Ausgangspunkt für alle Interpreten ist Will You Come Now, aus dem die titelgebende Textzeile entnommen ist. Der düstere Synthiepop der Band steckt voller Eigensinn. Der polternd-groovende Bass, die sicherlich gewöhnungsbedürftige Stimme des Masterminds Oliver St. Lingams und die Vielzahl von Samples, musikalischen Versatzstücken – soviel geballten Charakter gehörig zu dekonstruieren, das heißt schon etwas. Zwar zeigt das Kompendium an ausgewählten Künstlern, dass man sich durchaus auf die besten ihrer Zunft verlassen hat, allerdings bleibt eins weiterhin fragwürdig: Kann ein einziger Song in sieben verschiedenen Interpretationen wirklich über eine ganze Albumlänge noch spannend bleiben? Genug Facetten bietet er zweifellos, man müsste nur etwas damit anzufangen wissen.

 

Strange Attractor nehmen sich der Vielzahl von Melodien an und setzen sie mit einem nicht unbedingt spannenden, aber sicherlich entspannenden Ambient/Jazz-Crossover inklusive Panflöte in ein neues Licht. Wicked Messenger entfernen sich sicherlich am weitesten vom Original, aber auch ihr düsterer Ambient-Drone mit den gruselig bearbeiteten Vocals weiß nicht so recht zu überzeugen. Birdmachine sind anfangs noch nah an der Version von Strange Attractor und machen sich oder, je nachdem, wie man es dreht und wendet, oder eben diese selbst überflüssig. Daran ändert sich auch über neun Minuten wenig, in der Birdmachine zwar das Tempo und die Gitarren anziehen, sich aber eigentlich nur noch selbst wiederholen. Phallus Dei haben sie irgendwann wohl aus den Augen verloren. Auch Bohren & der Club of Gore, ohne Frage eine der außergewöhnlichsten und interessantesten deutschen Bands der letzten Jahre pressen Will You Come Now ins eigene Korsett, lassen keine Auseinandersetzung mit dem Ausgangsmaterial erkennen. Das ändert nichts daran, dass der Funeral Jazz des Kollektives nicht seine unheimliche Wirkung verfehlt, aber man fragt sich doch etwas, ob es eigentlich genügt, lediglich Melodien und Akkordfolgen aufzugreifen, um eine vollwertige Interpretation abzuliefern. Der Japaner TSUJI Ichiro macht seinem Pseudonym Dissecting Table alle Ehre: Der Song wird zerstückelt und mit Noise- und Glitch-Kaskaden zugeschüttet, bis es wehtut. Nicht auf eine wirklich schlimme Art und Weise, Tsujis Interpretation ist bei Weitem die interessanteste. Blackhouse beschließen mit einer auf zwei Minuten komprimierten Version dieses Album, das eigentlich keins ist, mit einem Song, der eigentlich keiner ist, der nach einem kurzen, ziemlich nah am Original orientierten Anfang in wahllosen Echoeffekten versandet.

 

Dürftig ist das also. Dürftig fast jeder Song für sich – auch wenn einige sicherlich als eigenständige Produkte funktionieren könnten – und dürftig das gesamte Album. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Material liegt in den seltensten Fällen vor, denn entweder begnügen sich die versammelten Künstler mit dem Zitat von Melodien oder Gesangssamples oder aber sie entfernen sich viel zu weit von Will You Come Now, als dass noch deutlich wäre, dass hier interpretiert wird. Was schade ist: Irgendwie leidet selbst der grandiose Titelsong darunter, irgendwann kann man Oliver St. Lingams Stimme kaum noch ertragen. Da ist es tröstlich, dass sich eigentlich niemand direkt an den markanten Basslauf herangetraut hat, der das Stück trägt und ihm Identität stiftet, sonst wäre die auch noch verloren gegangen.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:
Ich habe eine kleine Überraschung für dich: Nicht ich singe auf diesem Stück, sondern John Walker von The Walker Brothers. Mit etwas Recherche hättest du das sehr leicht rausfinden können. ;-)
| von Oliver St. Lingam, 29.01.2012

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...