Ausgangspunkt für alle Interpreten ist Will You Come Now, aus dem die titelgebende Textzeile entnommen ist. Der düstere Synthiepop der Band steckt voller Eigensinn. Der polternd-groovende Bass, die sicherlich gewöhnungsbedürftige Stimme des Masterminds Oliver St. Lingams und die Vielzahl von Samples, musikalischen Versatzstücken – soviel geballten Charakter gehörig zu dekonstruieren, das heißt schon etwas. Zwar zeigt das Kompendium an ausgewählten Künstlern, dass man sich durchaus auf die besten ihrer Zunft verlassen hat, allerdings bleibt eins weiterhin fragwürdig: Kann ein einziger Song in sieben verschiedenen Interpretationen wirklich über eine ganze Albumlänge noch spannend bleiben? Genug Facetten bietet er zweifellos, man müsste nur etwas damit anzufangen wissen.
Strange Attractor nehmen sich der Vielzahl von Melodien an und setzen sie mit einem nicht unbedingt spannenden, aber sicherlich entspannenden Ambient/Jazz-Crossover inklusive Panflöte in ein neues Licht. Wicked Messenger entfernen sich sicherlich am weitesten vom Original, aber auch ihr düsterer Ambient-Drone mit den gruselig bearbeiteten Vocals weiß nicht so recht zu überzeugen. Birdmachine sind anfangs noch nah an der Version von Strange Attractor und machen sich oder, je nachdem, wie man es dreht und wendet, oder eben diese selbst überflüssig. Daran ändert sich auch über neun Minuten wenig, in der Birdmachine zwar das Tempo und die Gitarren anziehen, sich aber eigentlich nur noch selbst wiederholen. Phallus Dei haben sie irgendwann wohl aus den Augen verloren. Auch Bohren & der Club of Gore, ohne Frage eine der außergewöhnlichsten und interessantesten deutschen Bands der letzten Jahre pressen Will You Come Now ins eigene Korsett, lassen keine Auseinandersetzung mit dem Ausgangsmaterial erkennen. Das ändert nichts daran, dass der Funeral Jazz des Kollektives nicht seine unheimliche Wirkung verfehlt, aber man fragt sich doch etwas, ob es eigentlich genügt, lediglich Melodien und Akkordfolgen aufzugreifen, um eine vollwertige Interpretation abzuliefern. Der Japaner TSUJI Ichiro macht seinem Pseudonym Dissecting Table alle Ehre: Der Song wird zerstückelt und mit Noise- und Glitch-Kaskaden zugeschüttet, bis es wehtut. Nicht auf eine wirklich schlimme Art und Weise, Tsujis Interpretation ist bei Weitem die interessanteste. Blackhouse beschließen mit einer auf zwei Minuten komprimierten Version dieses Album, das eigentlich keins ist, mit einem Song, der eigentlich keiner ist, der nach einem kurzen, ziemlich nah am Original orientierten Anfang in wahllosen Echoeffekten versandet.
Dürftig ist das also. Dürftig fast jeder Song für sich – auch wenn einige sicherlich als eigenständige Produkte funktionieren könnten – und dürftig das gesamte Album. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Material liegt in den seltensten Fällen vor, denn entweder begnügen sich die versammelten Künstler mit dem Zitat von Melodien oder Gesangssamples oder aber sie entfernen sich viel zu weit von Will You Come Now, als dass noch deutlich wäre, dass hier interpretiert wird. Was schade ist: Irgendwie leidet selbst der grandiose Titelsong darunter, irgendwann kann man Oliver St. Lingams Stimme kaum noch ertragen. Da ist es tröstlich, dass sich eigentlich niemand direkt an den markanten Basslauf herangetraut hat, der das Stück trägt und ihm Identität stiftet, sonst wäre die auch noch verloren gegangen.