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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:53

Vitas Guerulaïtis: Vitas Guerulaïtis / The Jumpin Quails : Bishops In Tea Shops

05.09.2011

Einmal nervenaufreibend, einmal gelangweilt, zweimal ratlos

Es gibt Alben, die, gelinde gesagt, Ratlosigkeit nach sich ziehen. Zumindest beim ersten Hören. Selbst, wenn er sich mittlerweile wieder etwas gefangen hat: Mit den neuen Platten von The Jumpin‘ Quails und Vitas Guerulaïtis ging es KRISTOFFER CORNILS eben genau so.

 

Die haben doch was genommen: Das französische Weirdo-Trio mit dem bekloppten Namen Vitas Guerulaïtis strömen jedenfalls schon nach dem ersten wirren Soundsnippet und den merkwürdigen Synthierhythmen eine Menge Klebstoffschnüfflerattitüde und Halluzinogenmissbrauch aus. Wenn man sich jedoch in dem Stakkatogewitter zurechtgefunden hat, lässt sich so langsam ein loses Prinzip aus den einzelnen Songfragmenten zusammenbasteln.

Was zunächst klingt wie die verschollene Demo einer japanischen Noise-Rock-Combo, die sich einer The Mars Volta-B-Seiten-Compilation auf möglichst freie Art genähert haben, hat doch mehr Substanz, als das erste Hören vermuten lässt. Das hektische Drumming schafft einigen Zusammenhalt und auch wenn die gerade noch in ihrer Entwicklung begriffenen Songs häufig umknicken: Irgendwann hat das Stakkatokreischen Methode, irgendwann machen die kantigen, abgehackten Gitarren durchaus Sinn. Schön auch, wenn in den kurzen, zumeist nur von Keyboard und Gesang bestrittenen Interludes etwas Melodie in das kakophonische Chaos gelassen wird. Vitas Guerulaïtis können einiges und verstecken sich noch zu sehr unter der Geste des dadaistischen Avantgardismus.

Etwas mehr Zeit, und die Band könnte zusammenwachsen, sich mehr Struktur und Eingängigkeit erarbeiten, ohne dabei wirklich an Charakter oder Integrität zu verlieren – das zeigt allein der grandiose Song Mechante Armee, der tatsächlich eine schöne Chorpassage in das Konzept der Band einbetten kann. So bleibt ihr selbstbetiteltes Album noch eine etwas verwirrende Arbeitsprobe, die Hoffnung auf mehr macht.

 

»There’s a place / in your mind / where a bird / slender and green / spreads its wings / and gently draws / an act of grace / on your face / you can’t hide« – wollen uns The Jumpin’ Quails auf Zeitreise schicken? Der krautig-psychedelische Opener ihres Zweitwerks zeugt jedenfalls von einer Nähe zum Spät-60er- und -70er-Sound. Das bestätigt sich im weiteren Verlauf, von Beat bis zu bekifftem Stadionrock mit Ausflügen über Ska ist alles dabei, was sich anhört, als hätte man es auf dieser zerkratzten Vinylplatte vom letzten Flohmarkt schon mal gehört, die man sich nur wegen des irrwitzigen Covers gekauft hatte. Natürlich wurde die E-Orgel durch neues Spielzeug ersetzt und ab und zu wagen die Italiener Abstecher in tagesaktuell gängige Indie-Gefilde, so ganz befriedigen kann das jedoch nicht.

Denn anstatt möglichst alt- oder neumodisch klingen zu wollen, würde es der Band besser anstehen, sich darauf zu konzentrieren, nicht nur Standards abzureißen; wie antiquiert oder modern sie auch sein mögen. Das langweilt nämlich, strengt zeitweise an. Bishops In Tea Shops jedenfalls nimmt keinen klaren Kurs auf, erzeugt auch keine Spannung. Das birgt ungewollten Unterhaltungswert: Der versoffene Südstaaten-Countryfolk in A Dysfunctional Wave Is ComingFrom The South And I’m Wet hält ungefähr mit der unfreiwilligen Komik seines Titels mit. Das zieht sich überall fort, wo die Italiener besonders amerikanisch sein wollen. Sie stolpern überengagiert über den starken Akzent ihrer Muttersprache.

Die Ratlosigkeit bleibt. Bezüglich der inszenierten Zeitreise, den Absichten der Band und warum man nicht mal bei der Landessprache bleiben kann, wenn sich alles andere zu furchtbar anhört.

 

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