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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:56

Toms Schnellgericht

08.09.2011

Next Summer

Hand aufs Herz. Der Sommer hatte so lange auf sich warten lassen, dass wir schon keine Lust mehr drauf hatten. Sommer verschlafen, Sommerhits verpennt – und die richtigen Klamotten für heiße Tage gar nicht mehr zur Hand gehabt. Nächstes Jahr wird alles besser... verspricht TOM ASAM.

 

Wichtig: Immer dem Instinkt folgen. So wie die kalifornischen Schwestern Piper und Skylar (ja auch die Eltern waren spontan und haben die Namen einfach ausgewürfelt) Kaplan. Sie nennen sich nun nicht mehr Pearl Harbour (der Name dürfte in den USA auch nicht wirklich verkaufsfördernd sein), sondern Puro Instinct. Wenns richtig heiß hergeht, ziehen sich die Häschen einfach ihr Negligé an und träumen von der großen weiten Welt. Das Konzept wird auch ins Musikalische übersetzt und bringt gar Headbangers in ecstasy. Ihr schwurbeliger Unterwasser- Dreampop wirft einen kurzen Blick auf die psychedelischen Popwelten der 60er Jahre – durch die Nerdbrille der 80er gesehen. Dieser in der Nähe von Chillwave-Absonderlichkeiten campierende Glo-fi-Pop hat, wie auch der Modetipp der Twins, das Potential für things to come. Eine Kollektion für Trendsetter. In den USA übrigens auf dem Label mit dem passenden Namen Mexican Summer (heiß und exotisch).

 

My little red book sang die geniale 60´s Band Love einst. Die Hipstertruppe war nicht zuletzt auch für ihr trendiges Äußeres bekannt. Die Kanadierin Lindi Ortega verlässt sich hingegen ganz auf ihre Little red boots. Rote Stiefel, rote Lippen und ein von den Kaplan-Sisters geliehenes Unterhemdchen reichen ihr, um die Weiten der Prärie auszuloten. Statt Headbangern wickelt sie die Cowboys und Loners um die Finger. Wenn sie nach schweißtreibendem Auftritt im local Saloon keine Lust hat, mit einem mitzureiten, legt sie sich einfach in ihrem Gitarrenkoffer aufs Ohr. Das ist der lässige Spirit, den wir im nächsten teutonischen Sommer spüren wollen. Die Musik: perfekter Popsong trifft auf Alternative Country, in Kombination mit rotlippigem Kindfrau-Charme und toller Stimme auch ohne große Überraschungsmomente eine sichere Nummer.

 

Auch Julien Henry und Marc Aumont aka Rafale folgen dem klar erkennbaren Modetrend für 2012. Ihre Unterwäsche ist einen Tick weiter geschnitten, was den zum Tanz antreibenden Elektrorock-Nummern der Franzosen, bzw. der dadurch nötigen Bewegungsfreiheit, geschuldet ist. Die heimische Fachpresse jubelt, Arnauld Rebotini produzierte. Obsessions ist zwischen elektronischer Avantgarde und Kitsch ein schöner Treffer – schlicht und praktisch wie die Kleidung.

 

Obsessionen für Frauenunterwäsche werden sich sichtbar an Männerkörpern jedoch wohl auch nächstes Jahr nicht durchsetzten. Deshalb wird es Zeit, mal den richtigen Hotlook für die Gents vorzustellen. Da macht es Sinn, mal den Profis über die Schulter zu schauen. Tinariwen kommen aus der Sahara. Ihr Name bedeutet »leerer Ort« und ist Referenz an ihren traditionellen Lebensraum, die Wüste. Modisch wie musikalisch gibt man sich hier wenig experimentierfreudig – und überzeugt umso sicherer. Kleidung: ganzkörperbedeckendes, leichtes Gewebe, gerne mit Turban kombiniert. Musikalisch: Blues. Zusammen mit Tamikrest aus Mali stellen sie die Speerspitze einer beeindruckenden Musiker-Schar da, die ihre stolze Tradition mit tranceartigen Wüstenblues-Stücken in die Welt tragen. Das Aufeinandertreffen westlichen Pops und afrikanischer Musik fasziniert seit Jahren mehr und mehr Musiker wie Hörer. Kein Wunder, dass Tinariwen auf diesem Album Gäste wie Wilcos Nels Cline sowie Tunde Adebimpe und Kyp Malone (TV on the radio) willkommen hießen. Was allerdings keine nennenswerten Spuren hinterlassen hat. Lediglich die Bläsersätze der ebenfalls mitwirkenden Dirty Dozen Brass Band im Song Ya Messinagh fallen aus dem Rahmen. Ansonsten bleiben die ehemaligen Tuareg-Kämpfer ihren Wurzeln treu und skelletieren die Gitarrenklänge aufs Notwendigste. Ein Sound der, wie die Wüste selbst, große Faszination ausübt.

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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