Obsessionen für Frauenunterwäsche werden sich sichtbar an Männerkörpern jedoch wohl auch nächstes Jahr nicht durchsetzten. Deshalb wird es Zeit, mal den richtigen Hotlook für die Gents vorzustellen. Da macht es Sinn, mal den Profis über die Schulter zu schauen. Tinariwen kommen aus der Sahara. Ihr Name bedeutet »leerer Ort« und ist Referenz an ihren traditionellen Lebensraum, die Wüste. Modisch wie musikalisch gibt man sich hier wenig experimentierfreudig – und überzeugt umso sicherer. Kleidung: ganzkörperbedeckendes, leichtes Gewebe, gerne mit Turban kombiniert. Musikalisch: Blues. Zusammen mit Tamikrest aus Mali stellen sie die Speerspitze einer beeindruckenden Musiker-Schar da, die ihre stolze Tradition mit tranceartigen Wüstenblues-Stücken in die Welt tragen. Das Aufeinandertreffen westlichen Pops und afrikanischer Musik fasziniert seit Jahren mehr und mehr Musiker wie Hörer. Kein Wunder, dass Tinariwen auf diesem Album Gäste wie Wilcos Nels Cline sowie Tunde Adebimpe und Kyp Malone (TV on the radio) willkommen hießen. Was allerdings keine nennenswerten Spuren hinterlassen hat. Lediglich die Bläsersätze der ebenfalls mitwirkenden Dirty Dozen Brass Band im Song Ya Messinagh fallen aus dem Rahmen. Ansonsten bleiben die ehemaligen Tuareg-Kämpfer ihren Wurzeln treu und skelletieren die Gitarrenklänge aufs Notwendigste. Ein Sound der, wie die Wüste selbst, große Faszination ausübt.
