Eingängige Hooks, dissonante Saitenarbeit und das hier und da überraschend ausbrechende Schlagzeug tanzen einen post-modernen Discofox. Klar, da klingt in den punkigen Momenten mal Les Savy Fav an, in den melodiöseren Pretty Girls Make Graves und im Grunde sind einige der zuckeligen Synkopenbeats doch ziemlich nah am Sound von vor zehn Jahren dran – aber Peter Kernel hören sich zuallererst wie Peter Kernel an. Drei Menschen, die eine Überdosis Kunst und Musik intus haben und nun ihr Ding machen, ungeachtet von »parties, drugs, fashion, girls, power, people, melody«. Sängerin Barbara Lehnhoff hat ein Organ, das gleichermaßen strapaziös und strukturierend wirkt, die Songs zusammenhält und ihnen selbst an repetitiven Stellen noch frischen Verve verpasst. Das Spoken Word-Narrativ Tide’s High bekommt so seine Thriller-Qualität. Und wenn dann die Indie-Melancholik von The Captain’s Drunk einsetzt, zaubert der Gesang im poppigen Duett mit der glasklaren Gitarre endgültig Gänsehaut aus dem Nichts hervor, bevor der Song wieder eine ganz andere Richtung nimmt und schließlich vom röhrenden, bassgetriebenen The Peaceful in zügigen Noise-Punk weiterstampft.
So abwechslungsreich und trotzdem authentisch kann das klingen: Ein Album mit Charakter, mit Witz, mit Querverweisen und jeder Menge Spielspaß – was auf der Vorgänger-EP nur ansatzweise aufging, wurde auf White Death Black Heart perfektioniert.
