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Kurzpässe

29.09.2011

Familientreffen

Die Heavy Metal Großfamilie schickt ein paar junge Neffen aus den Clans Nu-, Slow-, Industrial-, Post-, Sludge- in die Welt. So unterschiedlich die Ansätze sind, auf eine Einladung zum alljährlichen Familientreffen nach Wacken wären alle stolz. Von DAVID EISERT

 

Den Jungspunden von Cardiac Casper wurde diese Ehre im Jahr 2010 sogar zuteil. Diese Tatsache wird sich via Sticker auf dem Cover ihres ersten Albums Related To The Heart selbstbewusst an die schlanke Brust geheftet. Und auch sonst erliegt man diversen Effekthaschereien, die man eher im Boy Group Segment erwarten würde. Das Booklet und Promomaterial mutet an wie ein DIN ISO 9001 Zertifizierungsantrag. Jeder Sponsor und Führsprecher wird gewürdigt, was der ganzen Produktion einen gewissen Sparkassennachwuchswettbewerbsgewinnerscharme verleiht und auch etwas dick aufgetragen wirkt. Folgt man den Links zu Youtube, sieht man viele leere Reihen im Publikum. Sie selbst beschreiben ihre Musik als eine Mischung aus Metalcore, Alternative und Electro, was in der Summe ein ständiges Spielen mit den Gegensätzen Laut/Leise, Akustisch/Geknüppel, Clean/Verzerrt, Melodie/Geschrei macht. Viele Vertreter dieses Genres setzen bei ihren Produktionen auf die volle digitale Breitseite und komprimieren bis zum Überlauf. Das wurde hier wohltuend vermieden und man hört eine junge Band, die sich noch entwickeln kann und muss, und sich nicht hinter Softwarespielereien versteckt. Ob weitere Einladungen nach Wacken folgen, halte ich aber für eher zweifelhaft.

 

Weit weniger multimedialen Einsatz zeigen die Würzburger Downtempometaller von Omega Massif. Rein Instrumental drücken sie ihre Vorlieben für Geheimnisvolles, Mystisches und Mächtiges aus. Keine Bilder oder sonstige Hinweise auf die Musiker lassen sich im aufwendig gestalteten Digipack finden. Let the music do the talking. Auch die Homepage gibt wenig her, außer dem Faible für die Farbe Grün. Die Musik der vier Franken klingt reduziert. Rhythmik und Harmonik stehen klar vor der Melodik. Wobei nicht um jeden Preis gedröhnt wird. An die Schmerzgrenze geht es nie, der Song mit erkennbaren Strukturen bleibt immer bestehen. Dass Klang aber auch etwas physisches besitzt und durch Masse Energie erzeugt, erfährt der, der die Regler seiner Anlage aufdreht. Schleppende Drums, kombinierte mit einem fetten Bass zementieren die schleppenden Riffs zu einem soliden Fundament, auf das ruhige Melodietupfer gesetzt werden. Solche Musik braucht Zeit und entsprechend lang fallen die einzelnen Tracks auch aus. Macht live bestimmt noch mehr Schall- und Eindruck!

 

Einen ähnlichen, weil auch rein instrumentalen, Ansatz verfolgt das Trio Kerretta aus Neuseeland. Mit Saansilo bringen sie ihr zweites Album in der alten Welt an den Start. Wie ihr Europadebüt Vilayer zeichnet sich das Postrock- und Experimentallabel Golden Antenna Records für die Veröffentlichung verantwortlich. Die Kiwis sind insgesamt weniger metallisch, weniger massiv und auch weniger geradeaus. Die Songs basieren auf einem Schlagzeug, das nicht einfach einem metrischen Muster folgt, sondern Takte und Rhythmus verschiebt, phrasiert und synkopiert. Darüber legen sich Bass und Gitarre, die gleichberechtigt begleiten und führen. Zerlegte Akkorde und Melodien wechseln mit fetten Riffs. Dazu wabern spacige Analogsynthies. Der Opener A Ways To Uprise geht gleich in die Vollen und zeigt Kerrettas volles Klangsprektrum. Halls To Wherever dreht noch eine Spur weiter. Ein Gitarrenlick, das sich sofort im Hirn festsetzt, ein Riff, das den Lucky Punch setzt. Großartig Motorpsycho, Tool, Amorphis, Voivod irgendwo dazuwischen ist Saansilo bestens aufgehoben.

 

Auch die folgende Band veröffentlicht auf Golden Antenna. These Are The Arms, die bislang dritte Veröffentlichung der Konstanzer Band IRA, trägt die Labelnummer 016 und zeigt wieder einmal, welches Qualitätsbewusstsein die Jungs vom hochsymphatischen Label aus Sachsen-Anhalt doch haben. Ihre Krachphase haben IRA hinter sich und spielen so was wie Post-Post-Rock. Ganz entfernt könnte man sich an College- oder Indierock erinnert fühlen. Schräge Gitarren, Samples, gewollt schaurige Melodien und ein Gesang, der – latent distanziert aber sehr souverän – das ganze Soundspektrum zusammenhält. IRA gelingt es auch auf der Konserve, eine hohe atmosphärische Dichte mit zarten Melodien, massiver Wucht und echten Emotionen zu erzeugen. Im Oktober auf Tour!

 

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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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