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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:02

Toms Schnellgericht

29.09.2011

Bunte Tüte

Sally, Mademoiselle K. und der Rest der coolen Gang, vorgestellt von TOM ASAM.

 

An den Kinderekelgag der 80er (hieß das Slime?) erinnert der giftgrüne Schriftzug, der uns den Albumtitel der Londoner »Electronic Punk Band« Teeth näherbringt: Whatever. Auch wenn diverse Trendmagazine hier schon wieder eine supercoole Band gespotted haben wollen, frage ich mich eher: So what? Lofi Noise Popattacken mit auf RRRiot-Girl getrimmten Gesang. Alles schon gehört, keine Ironie, keine Überraschungen, keine gelungenen Songs. Mit Punk hat das natürlich soviel zu tun, wie wenn die Hypo Bank-Ausbilder ihren Azubis (die heißen da sicher anders) jetzt auch nen Kicker reinstellen. Könnte eine Berliner Band der 90er sein, die verspätet auf wilde 80er macht. Schockt vielleicht bei der ein oder anderen Vernissage, dem einigermaßen geschulten Pop-Fan schläft der Fuß ein.

 

Daran ist nur Sally schuld, oder? Blame Sally ist eine US-Band, die auch schon seit einem Jahrzehnt on the Road ist. Und ihr konsensfähiger Pop strahlt auch jede Menge Erfahrung und Professionalität aus. Auch hier gibt’s nichts wirklich Neues zu entdecken, das soll aber deutlich so sein. Blame Sally, das heißt vor allem Haupt-Songwriterin der Truppe, Monica, weiß, wie man einen guten Popsong schreibt. Das weibliche Quartett hat nicht weniger als drei tolle Stimmen, die sich mit den Lead-Vocals abwechseln, zu bieten – dazu eine routinierte klassische Rockbesetzung und hier und da ein bisschen Fender Rhoads und Wurlitzer für den sentimentalen Anklang. Stellenweise rockt es ganz gut nach vorne, insgesamt bewegt man sich meist im mittelschnellen Poprockstrom mit leichten Folk-Anklängen. 80er-Jahre Radio-Stoff der besseren Sorte. Für Fans von Melissa Etheridge bis Dixie Chicks.

 

Wir reiten weiter nach Idaho. Obwohl gleichnamige, (ehemalige) Band ihre Wurzeln in Los Angeles hat. Was bereits 1992 in normaler Bandbesetzung begann, ist heute nur noch das Projekt eines Mannes: Jeff Martin. Der Name kommt mir aber arg bekannt vor. Nein, es handelt sich hier nicht nicht um den Frontmann der (mittlerweile aufgelösten) kanadischen Rocker von The Tea Party! Größere kommerzielle Erfolge scheint er nicht vorzuweisen, vielleicht hat er sie nie angestrebt, da Kohle keine Rolle spielt. Jedenfalls ist von einem Haus im Laurel Canyon die Rede. Fair enough. Schöner, unaufgeregter und ruhiger Singer-Songwriter-Stoff mit Unterstützung der famosen Eleni Mandell. Allein das sollte doch ein Grund sein, dem Mann mal sein Ohr zu leihen!

 

Eine Mademoiselle? Oui, oui, da denken wir natürlich als Erstes an das nächste Talent aus der großen Riege der französischen Neo-Chanson-Clique. Aber Mademoiselle K. kümmert sich nicht allzu viel um das Erbe des Chansons, sondern rockt gut geradeaus. Singt allerdings, wie sichs gehört, auf französisch. Katerine Gierar – so heißt Mademoiselle K. wirklich – schreibt ordentliche Popsongs und kümmert sich nicht weiter um Trends und Moden. Zwischendrin werden auch ruhigere Töne angeschlagen. Ehrlich, direkt, bodenständig. Mal was anderes, um seinen eingerosteten Französisch-Wortschatz wieder aufzuschütteln. Gute Gitarrenarbeit!

 

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