Erfolg ist ein Selbstläufer
Der 1974 geborene Autor Christian Kortmann hat mit Der Läufer ein Alter Ego geschaffen, das unübersehbare Parallelen zu seinem eigenen Leben aufweist: studiert, promoviert, smart. In München lebend. Oft an der Isar und in den Bergen unterwegs. Letztendlich vom geschriebenen Wort lebend, trotz aller Skepsis und Ambivalenz. „Erfolg ist, für das bezahlt werden, was man tut. Nachgefragt sein. Etwas entstehen lassen. Sozial interagieren, mit den eigenen Handlungen das Leben anderer beeinflussen. Schaffen. Eingeladen werden … Erfolg ist ein Selbstläufer.“ Wenn auch ein einsamer.
Zurück zu Carlo Kornell. Der haust sehr reduziert in einer lärmumspülten Münchner Wohnhöhle, zwischen Arbeits- und Schlafkessel, wo offenbar ein Faxgerät und ein altmodisches Bakelit-Telefon zu den wenigen Einrichtungsgegenständen gehören. Hofft halbherzig auf den Durchbruch, den Vertrag, das Engagement, den überraschenden Erfolg – wofür er dann doch nur Verachtung übrig hätte. Und trotzdem haben ein paar kleine Erlebnisse seinen Erfolgswahn geschürt: hier ein Casting, dort eine Statistenrolle oder gar ein lukrativer Vertrag mit einem Designbüro. Selbstredend wurde diese Stelle nie angetreten.
Nach Schach, Großstadt-Golfen und Fahrradfahren (natürlich nicht im spackenden Polyester-Dress auf einem hochgerüsteten Mountain-Bike, sondern sehr cool auf einem „Puch Elegance“ Dreigang-Rad, vielleicht sogar noch mit einer altmodischen Satteltasche) ist Carlo letztendlich beim Laufen hängengeblieben. „Das Training an sich ist die Performance – der Trip ist die Ankunft.“ Von München-Untergiesing immer schön an der Isar entlang. Vorbei an den durchgestylten Schicki-Micki-Läufern, vorbei an den rotgesichtigen, schwitzenden Familienvätern, die am frühen Abend wieder am heimischen Grill zu stehen haben.