Martin Büsser kennt man bisher vor allem als Journalist durch seine Arbeit für konkret, Jungle World oder testcard, als Musikkenner und linken Kommentator. Jetzt hat er seine erste nichtpublizistische, fiktionale Arbeit vorgelegt. In Der Junge von nebenan erzählt er die Geschichte eines schwulen Coming-outs, gepaart mit der Coming-of-age-Story eines Kindes zweier im Untergrund lebender terroristisch tätiger Eltern. Es macht die Situation der aus der Ich-Perspektive erzählenden Hauptfigur nicht eben einfacher, dass sie beides ist – homosexuell und durch die konspirative Tätigkeit der Eltern marginalisiert.
Es folgt eine Sozialisation mit Literatur: Genet, Grass, Hesse, Brecht, Eich und viele mehr helfen beim Erwachsenwerden in einer als feindlich empfundenen Welt. Viele Schwänze müssen gelutscht werden, bevor das Sein und das Bewusstsein zusammenkommen können. Am Ende wird die Zukunft beschworen, indem der Engel der Vergangenheit ganz profan ermordet wird, mittels eines Getränks der Kindheit, das ohne Zweifel in die 1970er-Jahre gehört.