»Einsamkeit ist eine ganz große Nummer. Unheilbar. Hoffnunglos. Ein Loch im Herzen, so groß, dass man mit einem Truck durchfahren kann. So groß und so tief, dass es auf der ganzen gottverdammten Welt nicht genug Geld, Whiskey, Muschis oder Drogen gibt, um es zu stopfen, weil es mit jeder Lüge, jeder Enttäuschung und jedem gebrochenen Verbrechen größer wird.«
Doch als die junge Graciela in Docs Leben tritt, beginnt sich alles zu ändern. Sie scheint Wunder zu wirken und das Gute in allen Menschen anzurühren, denen sie begegnet. Docs Gefühlsmauer bröckelt, er entdeckt sein Gespür für die Mitmenschen wieder. Seltsame Dinge geschehen: Wunden heilen wie von selbst und Junkies pfeifen plötzlich auf ihre Drogen. Das zieht die Aufmerksamkeit einiger Leute auf sich – und Hanks Geist ist verschnupft, da Doc sich gar nicht mehr um ihn zu kümmern scheint…
Steve Earle, der als Musiker Mitte der 80er Jahre erste große Erfolge feierte und als ein Wegbereiter des Alternative Country gilt, tritt schon lange gegen Rassismus, die Todesstrafe und jegliche Art sozialer Ungleichheit ein. Das hat ihm in seiner Heimat wiederholt den blödsinnigen Vorwurf eingebracht, sein Land nicht zu lieben. Das Gegenteil ist sicher der Fall, er liebt das Land – und vor allem seine Leute. Auch und gerade jene, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Seine Vorliebe für tragische Sänger, die in der Lage sind, mit einer Gitarre und einer Mischung aus Melancholie, Trauer und Verzweiflung Großes zu schaffen, ist bekannt.
Der legendäre Townes van Zandt, nach dem er seinen Sohn benannte, und dem er eine Cover-Platte widmete, veranlasste Earle einst zu folgendem, gern zitierten Ausspruch: »Townes Van Zandt is the best songwriter in the whole world and I’ll stand on Bob Dylan’s coffee table in my cowboy boots and say that.«
In I´ll never get out of this world alive greift Earle mit Hank Williams ein weiteres legendäres Stück Musikgeschichte auf unterhaltsame Weise auf. Dabei zeigt er, dass das Menschliche auch – und gerade – jenseits der glitzernden Fassaden zu finden ist, dass Rassen- und Schichtunterschiede willkürlich und Wunder möglich sind. Auch wenn sein Debut vielleicht ein paar Seiten zu lange geraten ist, empfiehl es sich als kurzweilige Urlaubslektüre. Zum Beispiel für all jene, die den Blues, der sich in einer sterilen Feriensiedlung an einem Mittelmeerstrand einstellt, für ein paar Stunden gegen einen andersgearteten Blues einzutauschen gewillt sind.
