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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:23

Pierre Dragon/Frederik Peeters: RG - Verdeckter Einsatz in Paris

12.12.2009

Trau ihm, er ist ein Cop

Unter dem Pseudonym Pierre Dragon verbirgt sich ein wirkliches Mitglied der Renseignements Généraux – des Geheimdienstes der Nationalen Polizei Frankreichs –, der mit RG – Verdeckter Einsatz in Paris sein Debüt als Comicautor vorgelegt hat. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

Pierre Dragon ist nicht nur der Tarn- und Künstlername des in der französischen Hauptstadt berufsmäßig für Recht und Ordnung sorgenden Autorendebütanten – es ist auch der Name des Helden in seinem Comic gewordenen Cop-Krimi, dessen zeichnerische Umsetzung wir Frederik Peeters (der mit Blaue Pillen für Aufsehen sorgte) verdanken und der sich darüber hinaus noch als Koautor verantwortlich zeigt. Die Anregung, sich als Autor von Comics zu versuchen, bekam Dragon von Joann Sfar – hierzulande vor allem durch Die Katze des Rabbiners oder die Donjon-Reihe bekannt –, als sich die beiden im Rahmen von Ermittlungen wegen Mohammed-Karrikaturen kennenlernten.

Was für einer ist er denn nun, dieser Pierre Dragon? Ein Mittvierziger, der als Kind immer gespannt den Erzählungen seines Nachbarn, eines Polizeikommissars, gelauscht hat und daraufhin, nach dem Abitur und dem Militärdienst, die Polizeischule besucht hat. Einer, der den Nachtdienst als Mitglied einer Spezialeinheit seiner Tochter zuliebe quittiert hat und daraufhin irgendwann bei der Geheimpolizei gelandet ist, wo er sich nun der Terrorabwehr widmet. Und einer, der – wie er erklärt – die Zusammenarbeit mit Peeters nutzen möchte, um seinen Lesern die Realität des Polizeialltags nahe zu bringen, zwar „fiktional, aber so nah an dem, was ich erlebe, dass man sich da täuschen kann.“

Kein Elliot Ness, aber noch weniger ein Harry Callahan

Und was für einer ist dieser Pierre Dragon in den atmosphärischen Bildern von Peeters, die einen so nah am Geschehen teilnehmen lassen, dass man den Schweiß, der die Häupter im Sommer in Paris glänzen lässt, fast schon riechen kann? Er ist einer, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Jean-Paul Belmondo hat. Einer, der sich selbst als Bulle bezeichnet. Einer, dessen Beziehung an seinem Beruf gescheitert ist und der seine Gefühle nicht immer im Griff hat. Einer, der sein Hemd immer bis zur Brust aufgeknüpft trägt und schon mal provisorisch die Klobrille herunterklappt, wenn er ein Date hat. Einer, der Bruce Willis mag und scheinbar weit mehr mit seinem US-amerikanischen Vorbild gemein hat als dessen Landsmänner – zumindest mehr als die beiden zugeknöpften FBI-Agenten, die zwei Nebenrollen in RG besetzen.

Die Bilder in Riad an der Seine sind zwar nicht düster, aber doch dunkel gehalten, so, als ob der Blick sich erst seinen Weg durch den Pariser Smog bahnen müsste, um die Farben ausmachen zu können. Und der Plot wird häufig durch Rückblenden und Voice-Over-Kommentare konstruiert. RG aufgrund der Verwendung dieser Stilmittel und seiner Handlung, die ihr Hauptaugenmerk auf die oft raubeinig auftretende Hauptfigur richtet, dem Comic Noir zurechnen zu wollen, führt jedoch zu weit, denn dieses Etikett grenzt das Werk zu sehr ein. Pierre Dragon ist mit Sicherheit ein ziemlich abgebrühter Kerl, in die Tradition des hardboiled detective kann man ihn jedoch nicht einreihen – das wäre entschieden zu einseitig.

Dichtung und (Verpflichtung zur) Wahrheit

Der zunächst klein und belanglos erscheinende Fall, von dem RG handelt, und an dem dann, ganz klassisch, ein gewaltiger Rattenschwanz hängt, ist im Grunde vollkommen unaufregend. Und die Figur des Pierre Dragon ist, wie auch jede Nebenfigur, kein Stück weit überzeichnet, sondern erfreulicherweise normal – doch gerade dadurch lebendig und ernst zu nehmen. Dasselbe lässt sich auch über den ganzen Comic sagen. Bei einem Polizeikrimi, dessen Protagonist sich der Terrorabwehr verschrieben hat, hätten wohl die meisten einen wesentlich reißerischeren Plot erwartet, als einem bei RG schließlich geboten wird. Doch genau diese bodenständige Zurückhaltung setzt dem Werk den Lorbeerkranz auf. Hier wird Authentizität nicht nur versprochen, sondern als Maßstab benutzt. Der oftmals stumpfsinnige und langweile Polizeialltag wird aufgegriffen und durch eine gelungene Symbiose aus Elementen des Krimis, dem geschärften Blick einer journalistischen Reportage und einem Händchen für glaubwürdige Charaktere zu einem geistreichen und kurzweiligen Lesevergnügen verdichtet.

Mit diesem Comic hat Carlsen ein echtes Highlight vorgelegt, das sogar jenen empfohlen werden kann, die darin ein Manko sehen, dass in RG kein einziges Mal Gebrauch von der Schusswaffe gemacht wird. In Frankreich ist bereits der zweite Band erschienen. Hierzulande wird man hoffentlich auch nicht mehr lange auf die Fortsetzung warten müssen.

 

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