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Digipak (KW 44)

29.10.2009

Saalrunde für alle

Musikalische Neuigkeiten auf einen Blick – diese Woche mit Julian Casablancas, Miike Snow, Troyka, Bettina Koester, Helgi Hrafn Jónsson, The Japanese Popstars und Altbekanntem von Duran Duran und Blondie. Von SEBASTIAN KARNATZ

 



Troyka: dito

Ein junges britisches Jazz-Trio aus dem pulsierenden London mit der Besetzung Gitarre, Orgel/Synthie und Drums - das hört sich doch schon mal gut an auf dem Papier. Und tatsächlich, auch in der Sphäre der handfesten musikalischen Realität geht es hier ordentlich zur Sache: Rhythmisch avanciert, tonal frei und extrem spielfreudig holzen die drei Mannen durch allerhand Songmaterial, das irgendwo zwischen Jazz, Prog und Rock angesiedelt ist und sich lieber in intellektuellen Tonalitätsauflösungen suhlt, als in prahlerischer Harmoniesucht. Das ist ernst gedacht und sehr gut gemacht. Dass allerdings Teile der Presse hier unbedingt Spuren von Hip-Hop-Beats und Big-Beat-Einflüsse ausmachen müssen, befremdet den geneigten Rezensenten dann doch. Dass die Jungs von Troyka, wie nahezu jedes rock-basierte Modern-Jazz-Ensemble der Jetztzeit, nicht ausschließlich Duke Ellington und Miles Davis zu den seligen Zeiten von „Kind of Blue“ zu ihren Favoriten zählen, sollte eigentlich a priori klar sein. Troyka erfinden weder das Rad neu, noch sie sind krampfhaft auf der Suche nach einer hippen Blutauffrischung für den altehrwürdigen Jazz. Sie fühlen sich vielmehr erstaunlich wohl in einer nun auch nicht mehr ganz jungen Sparte, die man einst – ganz ohne Hip-Hop – Fusion zu nennen pflegte. Troyka sind Kinder des Mahavishnu Orchestras, das ja auch schon versierte Beat-Spielereien kannte – Billy Cobham! –, und von glatten Tonalitäten nicht allzu viel hielt. Hardcore-Jazz-Punker, wie ein offensichtlich verwirrter Rezensent des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Troyka nannte, sind sie indes nicht. Zu ihrer Ahnenreihe zählen viel eher Wayne Krantz, der junge Bill Frisell und Tony Williams Lifetime – wild durchaus, aber beileibe nichts, was sich mit dem Etikett Hardcore-Punk-Jazz auch nur in Ansätzen umschreiben ließe. Also, liebe Leserinnen und Leser, Sie sehen es ja: Wirklich verlassen kann man sich eigentlich auf nichts und niemanden. Wenn Sie allerdings eine verlässliche Fusion-CD modernen Zuschnitts suchen, sind Sie bei Troyka sicherlich an der richtigen Adresse.
 

Sebastian Karnatz

Troyka: dito. Edition Records (Vertrieb: Broken Silence).
Troyka bei MySpace



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