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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:35

Bob Dylan und Mark Knopfler in Mannheim

27.10.2011

Forever young

Kaum zu glauben: dieser Mann ist 70 Jahre alt. Bob Dylan altert nicht. Er steht rechts auf der Bühne an einer Keyboards-Miniaturausgabe, schaut nicht ins Publikum, sondern zu seiner Band, und singt ins Mikrophon. Hier bleibt er den größten Teil der gut 80 Minuten, die er den Zuhörern gönnt, ohne sich zu zieren, ohne launische Eskapaden, die man von ihm stets erwartet. Nur ab und zu greift er zur Gitarre und kommt in die Mitte der Bühne, nach vorne, an die Rampe. Nein, das ist keine Show. Das ist ein Konzert. Zu sehen gibt es schon deshalb wenig, weil Halbdunkel herrscht. Den Rest erledigt der breitkrempige Hut, eine Art weißer Filzsombrero, den Dylan zu einem schwarzen, hochgeschlossenen Anzug mit roten Streifen trägt, die Karikatur eines mexikanischen Bahnhofsvorstehers. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Es ist ein Klischee, aber es ist halt auch wahr: Er ist der Größte. Seit einem halben Jahrhundert wird er bewundert, seine Songs sind längst Folklore geworden, wer kann die Coverversionen noch zählen. Man preist seine Texte, auch wenn man sie nicht versteht und von Lyrik nicht allzu viel Ahnung hat, man summt seine Melodien. Und ein Tom Waits wäre wohl nicht denkbar ohne die Veränderung der Vorstellung von Gesang, die Bob Dylan in die Popmusik eingebracht hat. Seine großen Hits sind ja nicht besonders raffiniert, besonders komplex. Gerade ihre Schlichtheit hat ihnen Erfolg beschert, denn es ist – anders als beim Schlager – eine Schlichtheit, die einen Gedanken musikalisch ebenso auf den Punkt bringt wie im Text. Es ist der Gestus eines Motivs, der sich einprägt – Lay Lady Lay oder It Ain't Me, Babe oder Don't Think Twice.

 

Diesen Titel krächzt Bob Dylan auch in der Mannheimer SAP-Arena, gleich als zweiten Song seines Auftritts. Man erkennt ihn kaum, den einst von Joan Baez verbreiteten Titel, wie später dann Desolation Row, Highway 61 Revisited oder All Along The Watchtower. Manche Besucher sind sauer, weil der Gott unserer Jugend nicht wie ein lebender CD-Player funktioniert, seine Songs nicht reproduziert, wie man sie im Ohr hat. Aber ist es tatsächlich einem Menschen zuzumuten, dass er fünfzig Jahre lang seine Erfindungen abspulen soll, als wäre er ein Automat? Bob Dylan benützt sie als Material, und er macht seit langem bei jedem Konzert etwas anderes daraus. Er betreibt gegenüber seinen eigenen Melodien Dekonstruktion, schon ehe das Wort erfunden war. Darauf darf man sich wohl einlassen.

 

Es fing ja bereits 1970 an, mit dem Album Self Portrait. Die Fans der ersten Stunde wollten Dylan die Abkehr ins vordergründig Private ebenso wenig verzeihen wie ein paar Jahre zuvor die Benützung einer Elektrogitarre. Bob Dylan hat im Lauf seines Künstlerlebens manche Wandlung durchgemacht. Man muss nicht jede seine Inkarnationen gleichermaßen sympathisch finden, aber eins muss man, auch nach dem aktuellen Konzert, eingestehen: Dieser Mann ist als Bluesinterpret ebenso imposant wie als Rock'n'Roller und Balladensänger. Er kann alles. Und bleibt doch stets Bob Dylan.

 

Spontaneität und Rebellion?

Im Mannheimer Konzert gehen die Songs bruchlos in einander über. Dazwischen, im totalen Dunkel, klimpert die Band, als wollte sie die Instrumente stimmen, ein wenig anarchisch, ehe sich aus dem scheinbaren Chaos der neue Song erhebt wie ein Phönix aus der Asche. Ganz am Schluss singt Bob Dylan Like A Rolling Stone. Fast so, wie man den Song kennt. Ein Friedensangebot an die Traditionalisten.

 

Zu Beginn von Bob Dylans Auftritt steht einer unter den Musikern, der bei den jüngeren Zuhörern offenbar noch populärer ist als der ältere Kollege: der auch schon 62-jährige Mark Knopfler. Er bestreitet mit seiner eigenen Band die erste Hälfte des Abends. Mehr noch als der aktuelle Bob Dylan steht Knopfler in einer Traditionslinie, die man als relaxed oder laid-back kennzeichnen könnte. J.J. Cale oder Lou Reed wären da zu nennen. Als Gitarrist, dessen Sound die legendären Dire Straits geprägt hat, ist er, mehr noch als Eric Clapton, der Anti-Hendrix schlechthin. Sein Gitarrenspiel ist niemals expressiv oder gar aggressiv, sondern bis an die Grenze des Kitsches dem Schönklang verpflichtet. Die Töne scheinen im gepflegten Legato aus den Saiten zu quellen wie Tautropfen von einem Rosenblatt. Hat Bob Dylan seine musikalischen Wurzeln unüberhörbar in den Südstaaten der USA, so klingt bei Knopfler die schottische Ballade durch. Sailing To Philadelphia klingt verdächtig an Wild Mountain Thyme an, ein Folksong, den unter anderen Long John Baldry mit Rod Stewart, der wie Knopfler eng mit Glasgow verbunden ist, in einer großartigen Version, aber auch Bob Dylan und Mark Knopfler selbst aufgenommen haben. Der neue Song Privateering wiederum vereint in sich Inspirationen des amerikanischen Work Songs und der Country Music. Dazu wäre ein Square Dance angebracht.

 

Aber in Mannheim wurde nicht getanzt. So recht sprang der Funke weder bei Knopfler, noch bei Dylan aufs Publikum über. Der ganz große Jubel blieb aus. Woran es lag? Schwer zu sagen. Vielleicht ist es doch die Routine, die da beeinträchtigt, was Rockmusik einst ausgezeichnet hat: Spontaneität und Rebellion. Bob Dylan und auch Mark Knopfler – sie bleiben ewig jung. Aber ein bisschen sind sie vielleicht doch alt geworden. Und das ist, wie man weiß, in unserer Zeit ein Makel.

 

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Dylan absolut emozionlos,newer again.Knopfler sehr gut,wie immer.Aber Bob ,so ein entäschung..arogant und schlecht.Newer again,realy
| von Boris Perkovic, 07.11.2011

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