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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:39

Nils Koppruch live in München (Ampere, 12.09.10)

18.09.2010

Mildes Nordlicht

Der vielleicht letzte warme Sonnentag in diesem Jahr, ein sehr überschaubar besuchter Club, die Anwesenden drücken sich in die dunklen Ecken und Rauchverbot ist auch. Beste Voraussetzungen für einen Abend voller Schwermut und Traurigkeit oder für ein Schulterzucken und das Gegenteil. Von DAVID EISERT

 

Auf seiner neuen Platte hat Koppruch die Gelassenheit und die Zuversicht für sich entdeckt und genauso präsentiert er sich bei seinem Konzert im Münchner Ampere. Die großen Lücken im Publikum? War beim letzten Besuch auch so, aber er spielt für die, die da sind, nicht für die, die nicht da sind.

 

Nach kurzem Enrico Caruso Intro betreten die fünf Musiker die dezent dekorierte Bühne und legen mit Armer Junge – Armes Mädchen recht krachig los. Folk, Country, Singer/Songwriter, Rock – what ever. Weder missvergnügt noch unzufrieden entwickelt sich ein dynamisches Konzert, bei dem der Schwerpunkt der Songauswahl auf den eher heiteren Stücken des Hamburgers liegt. Die Songs von Den Teufel Tun wurden für die Konzertreise auf Bandniveau getunt und ein paar Lieder aus der Fink-Zeit finden sich ebenfalls in der Setliste. Die Marschrichtung ist gradaus, die süßesten Früchte wachsen schließlich ganz oben!

 

Koppruch scherzt mit dem Publikum, mit der Band und über sich. Spricht davon, in Zukunft nur noch Lieder über Obst und Straßenamen zu schreiben, was aber Quatsch ist. Genauso Quatsch, wie am Merchandising Stand hässliche Einkaufstragetaschen oder eingekochte Mandarinen verkaufen zu wollen. Hier wäre ein wenig mehr Ironie oder ein hübsches Tourshirt mehr gewesen. Der alte Freund, Schriftsteller und Country-Papst Franz Dobler aus Augsburg wird auf die Bühne gebeten. Dobler rezitierte einen Text, die Band legt einen Klangteppich. Plötzlich ist auch kein Rauchverbot mehr. Die Bäume sind voller Kirschen, man muss sie nur pflücken. Das Publikum ist selig, wippt melancholisch mit und wirft virtuell Konfetti.

 

Für das Vorprogramm wurde Neuschnee alias Hans Wagner eingeladen. Wagner spielt sowohl auf Koppbruchs Platte als auch in der Tourband Cello und Orgel. Seine eigene Band musste er dagegen in Wien lassen und kam mit Gitarre, Samples und einer nagelneuen Loopmaschine. Seine Musik war ambitioniert wirkte aber zu gewollt sperrig. Ob die eigenwillig gestimmte Gitarre und die vielen Dissonanzen Kunst sind oder doch noch ein wenig Üben nötig wären, mag ich nicht abschließen beurteilen.


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