Ich hab gute acht Jahre auf diesen Tag gewartet. Ich werde Godspeed You! Black Emperor live sehen. Drinnen ein Gewühl von Menschen unterschiedlichster Couleur, überraschenderweise ein Merchstand mit T-Shirts. Für 20 Euro. Früher haben sich GY!BE geweigert, Shirts herzustellen.
Im Konzertsaal empfängt mich ein monotones, kratziges Gewaber, es wird nicht lauter, es sind eigentlich nur zwei Töne, die im redundanten Auf und Ab den stockdusteren Raum beschallen. Der Geruch von ungefähr einem Dutzend Joints liegt schon eine halbe Stunde nach Einlass in der Luft und verteilt sich in der verschwitzen Enge. Das Konzert ist restlos ausverkauft. Es dauert, bis die Mitglieder der Band auf die Bühne kommen.
»Siehst du was?«, fragt hinter mir jemand seinen Begleiter, als wäre das wichtig. Applaus brandet auf, steigert sich zu einem frenetischen Johlen, als hätte das Konzert nicht schon längst mit der Klangcollage angefangen. Dann, nach einem kurzen, wenig beeindruckenden Intermezzo erklingen die ersten Töne von Storm, dem 22-minütigen Opener des Überalbums Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven. Ich erinnere mich, dass mir einmal ein Bekannter schrieb: »The first five minutes of this song are the best five minutes in music, ever.« Er hat recht, aber viel Leben steckt heute nicht dem Song, er kommt steril rüber, zu glatt, konservenhaft.