Subtile Eleganz
Dass Gabriela Montero eine Virtuosin ist, konnte sie mit Rachmaninow beweisen. An Technik und Geläufigkeit ließ ihre Interpretation nichts zu wünschen übrig. Aber das allein bliebe eher Zirkus als Konzert, wenn da nicht die Eleganz und die Subtilität von Monteros Anschlag hinzu käme. Sie behandelt die Klaviertasten eher schelmisch verspielt als kraftvoll, was bei Rachmaninow keineswegs selbstverständlich ist. Vergleicht man Monteros Körpersprache etwa mit der des gerade vier Monate älteren Fazil Say, so fällt ihre Zurückhaltung auf. Die Bewegung geht von den Schultern und vor allem von den Handgelenken, nicht vom Oberkörper aus.
Rachmaninows Rhapsodie schielt nach dem Effekt, wenngleich auf hohem Niveau. Dieses Niveau erreicht Joaquin Turina mit seinen Danzas fantásticas von 1920, die dem Auftritt Gabriele Monteros voraus ging, nicht. Das dreiteilige Orchesterwerk ist irgendwo zwischen de Falla oder Granados und Dimitri Tiomkin anzusiedeln. Spanische Pseudofolklore und Filmmusik.
Im Programm stehen die Namen der Sponsoren – nicht nur für das Konzert, sondern auch für den Dirigenten und die Partiturauszüge. Nach der Pause spielte die Houston Symphony unter Juanjo Mena in jener Stadt, deren Flughafen den Namen des älteren George Bush trägt und in der sich die Besucher im Theaterbezirk wie unterirdische Geister aus den Tiefgaragen direkt in die Veranstaltungsräume bewegen, ohne die Straße betreten zu müssen, Mozarts g-Moll Symphonie Nr. 40. Zu europäischer Überheblichkeit gibt es keinen Anlass. Dass damit dem Publikum nach den Reißern des ersten Teils Anstrengung abverlangt wurde, kann man freilich auch nicht behaupten.
