Damals war sie mit einer eigenwilligen Interpretation aufgefallen, der sie auch diesmal treu blieb. Die schwebende Zartheit von Grimauds Spiel bot eine durchaus angenehme Abwechslung, konnte das Orchester aber immer wieder rhythmisch irritieren. Nach und nach und merklich dann im zweiten Satz stellte sich zwischen ihr und dem Orchester eine gewisse Harmonie ein, die Grimaud auch physisch unterstrich, indem sie in besonders emotionalen Momenten mit dem Oberkörper wackelte und kreiste.
Überhaupt war Harmonie im Zusammenspiel das große Thema des Abends. Manches fügte sich gut, manches weniger. Den Auftakt machten Johannes Brahms‘ Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, die Thielemann recht langsam spielte, vielleicht um sie melodisch besonders auszukosten, vielleicht aber auch, damit das Orchester und er wieder zueinander finden konnten.
Schließlich waren die Münchner Philharmoniker in der letzten Zeit öfter unter einem fremden Dirigenten zu hören gewesen als unter dem eigenen. Man fand aber bald zueinander, was die unspektakuläre Aufführung von Ludwig van Beethovens 7. Symphonie dann besiegelte, die den Abend beschloss. Hier wurde nun auch Thielemann, der seiner Veranstaltung zunächst mit höflicher Reserve gegenüberstand, von seiner Harmonie mit dem Orchester derart angetan, dass er gegen Ende vielleicht sogar ein bisschen verliebt war in sein Dirigieren. Das Publikum indes beklatschte diesen Abend beinah frenetisch und schien alles bekommen zu haben, wonach es verlangte – einen schönen Star oder zwei, Artistisches in der Mitte und Dramatisches zum Schluss.

