Aber geben wir es zu: Sehr oft ist der hysterische Lärm klatschender Hände, zumal nach einem leise aus- und lange nachklingenden Musikstück, nur eine Qual, vergleichbar einem stinkenden Furz nach einem köstlichen Dessert. (Der Vergleich, wir kommen darauf zurück, wurde dem Berichterstatter von der Veranstaltung, von der hier die Rede sein wird, aufgedrängt.)
Manche Kompositionen allerdings drängen dem Publikum den Applaus geradezu auf. Das fünfzehnminütige Crescendo von Ravels Boléro mündet zwangsläufig in eine Beifallsorgie, die den in einem Film suggerierten, mit dieser Komposition untermalten Orgasmus ersetzt. So gesehen zeugt es von dramaturgischem Verstand, wenn man den Boléro an das Ende eines dreistündigen Konzerts setzt. Der Applaus ist vorprogrammiert.
Wenn die Salzburger Festspiele ihre Pforten öffnen, gehen die Ludwigsburger Schlossfestspiele gerade zuende. Mit einem unorthodoxen Konzert ihres Orchesters unter der Leitung von Christian Muthspiel haben sie die Saison eröffnet. Nachdem man im vergangenen Jahr, dem ersten der neuen Intendanz Thomas Wördehoff, ein Eröffnungkonzert nicht nur mit Mahler und Bartók, sondern sogar mit einer Uraufführung eines zeitgenössischen Werks gewagt hatte und dafür von berufener und weniger berufener Seite gescholten worden war, ging man heuer auf Nummer sicher. Mit Strawinskys Feuervogel-Suite und den selten gespielten Saudades do Brazil von Darius Milhaud, dem Angehörigen der französischen Groupe des Six und Lehrer des Jazzpianisten Dave Brubeck, standen schon vor dem Boléro dramatisch aufgeladene und effektbewusste Werke auf dem Programm.
Als Effekt darf es auch gewertet werden, dass die Eröffnungsrede nicht von einem der üblichen Verdächtigen aus Politik oder Kultur, sondern von Vincent Klink gehalten wurde, der, nach eigenen Worten, eine Stunde zuvor dem Risotto entstiegen war. Klink machte deutlich, dass sich die Terminologie der Küche vorzüglich für das Reden über Kunst eignet. Das Allroundtalent, das auch als Jazzer bekannt ist, versuchte den Traditionalismus mit Aufgeschlossenheit für das Neue zu vermitteln. Klink rät zum Risiko – beim Kochen wie in der Kunst. Er ahnte wohl, dass da im Saal nicht wenige saßen, die man zu beidem erst überreden muss. Zur Überraschung dieser Klientel, die er mehrfach als schwäbisch kennzeichnete, bekundete der Küchenchef seine Abneigung gegen Dekolletés und Millionäre. Wir dürfen uns also wohl auf das 12,50-Euro-Menü in der Wielandshöhe freuen. Mit seinem Outing trat Klink in die Spuren des Großmeisters Alfred Hitchcock, der regelmäßig seinen Spott über die Sponsoren seiner eigenen langjährigen Fernsehserie ergoss.