Begeisterungsstürme ohne Lautsprechertürme
Zu den Ensembles, die Folklore und folklorehafte Kompositionen auf alten Instrumenten interpretieren, gehört auch L'Arpeggiata. Diesmal hat die Leiterin Christina Pluhar, die zwar aus Österreich stammt, mit der Schauspielerin Erika Pluhar aber nicht verwandt ist, unter dem Titel »Los pájaros perdidos« ein Programm mit lateinamerikanischer Musik zusammengestellt. Da gesellen sich zu den Barockinstrumenten vorübergehend Volksinstrumente wie das Charango oder die Paraguay-Harfe, die der kleinen Barockharfe ähnelt. Die Instrumental- und Vokalstücke, virtuos gespielt von den Musikern aus aller Welt und mit tänzerischem Elan gesungen von den Italienern Lucilla Galeazzi, Luciana Mancini und Vincenzo Capezzuto, gehen bruchlos in einander über.
Da trifft eine Komposition aus dem 17. Jahrhundert auf eine Komposition von Astor Piazzolla oder auf Traditionals wie das Wiegenlied Duerme negrito, das Mercedes Sosa und Victor Jara, vor allem aber, unübertroffen, der große indianische Liedermacher Atahualpa Yupanqui im Repertoire hatten. Vergleicht man Yupanquis rauhe, brüchige Version mit Quito Gatos Arrangement für L'Arpeggiata, kann man doch eine Differenz zwischen dem folkloristischen Zugang und der Glättung für den Salon festmachen. Hier aber, im prunkvollen barocken Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses, riss das Ensemble das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Und dafür brauchte es keine Lautsprechertürme. Die Substanz liefert mehr als nur Ersatz für Lautstärke. Hat man das mittlerweile vergessen?
