In den frühen sechziger Jahren, als ich noch recht jung war, konkurrierten in unserer Wahrnehmung Jazz, Rock und Folk. In meinem Freundeskreis hörte man die ersten Aufnahmen der Beatles und der Rolling Stones, die Schallplatten von Thelonious Monk, Miles Davis und Clifford Brown, aber auch Pete Seeger, Joan Baez, Judy Collins und allen voran: Bob Dylan. Auf den Spuren dieser Musiker, auf der Such nach ihrer Herkunft stießen wir auch auf die Plattenlabels Le Chant du Monde und Folkways Records, auf die Sammlungen von Alan Lomax. Die Puristen unter uns übertrafen sich in der Entdeckung von Authentischem, und sprachen nur mit Verachtung von den Nachahmern, die fast immer zu glätten bemüht waren, was im Original die Magie des Rauhen, Ungeschliffenen, oft auch Laienhaften hatte. Huddie Ledbetter, genannt Leadbelly, war uns lieber als die Bluesgrößen jener Jahre.
Inzwischen war das durch die Warenästhetik, die in den vergangenen Jahrzehnten alles zu bestimmen schien, weitgehend aus dem kulturellen Bewusstsein europäischer Jugendlicher verschwunden. Und da kommt nun ein junger Singer Songwriter aus den USA zu uns, der genau dort ansetzt, wo wir Nahezu-Dementen in seinem Alter unsere vergessen geglaubte musikalische Heimat hatten. Hört man genauer hin, entdeckt man Querbezüge. Manche Techniken und Verfahren haben in der Rockmusik überwintert, bei Eric Clapton, Eric Burdon, Arlo Guthrie, Leon Redbone, John Mayall oder Long John Baldry sowieso, aber selbst bei Künstlern, bei denen man es auf den ersten Blick nicht erwarten würde, wie Phil Collins oder Tom Waits.