Die Kulturveranstalter könnten von meiner Frau lernen. Wenn sie will, dass ich sie für ihre Kochkunst lobe (was mir an sich nicht schwer fällt), sagt sie: »Das ist mir nicht ganz gelungen« oder »Das ist nicht ganz so geworden wie es sollte«. Nun bleibt mir gar nichts anderes übrig, als ihr zu versichern, dass niemand besser koche als sie und dass ihre Gerichte unübertrefflich seien.
Die Kulturköche aber überhäufen uns schon im Vorstadium mit so viel Eigenlob, dass es schwer fällt, nicht zu widersprechen, und sei es, weil man seine Unabhängigkeit beweisen möchte. Wer will schon zu jenen »Kritikern« zählen – und sie sind ja nicht selten –, die sich von Pressaussendungen und bei Pressekonferenzen einflüstern lassen, was sie zu schreiben haben. Die Selbstachtung verbietet die Verwendung von Vokabeln, mit denen die Macher sich selbst schmeicheln.
Noch vor ein, zwei Generationen galten Einstein oder Picasso als genial. Heute ist es jeder Nachwuchspianist und sogar jede Zahnpasta. Früher bescheinigte man einem Krimi oder auch einem Fußballspiel, dass sie spannend seien. Heute ist nicht nur ein Wahlabend spannend (als käme es nicht darauf an, welche Parteien danach regieren werden, wie es im Grunde egal ist, wer sich im Krimi als Mörder entlarvt), auch jedes Konzert, jede Komödie, jede Vernissage wird als spannend angekündigt. Das Wort »spannend« wird so inflationär verwendet, dass es unbrauchbar geworden ist. Und ohnedies lässt sich Spannung nicht suggerieren, wenn sie in Wahrheit ausbleibt. Hätten die Programmgestalter auf meine Frau gehört und ihre Veranstaltung als langweilig, unbedeutend, mittelmäßig angekündigt – vielleicht wären wir angenehm überrascht, würden Qualitäten und Werte entdecken, wer weiß: womöglich sogar Spannung.
Bei Mnozil Brass freilich versagt unser Widerspruchsgeist. Mnozil Brass ist ein seit 1992 bestehendes Blechbläserseptett, das sich nach dem Gasthaus in der Seilerstätte in der Wiener Innenstadt benennt, in dem sich die schrägen Vögel zu treffen pflegten. Es liefert so ziemlich das Beste an musikalischem Humor, was zurzeit in Europa zu haben ist. Es steht in der österreichischen Tradition des höheren Blödsinns à la Erste Allgemeine Verunsicherung oder Drahdiwaberl. Es knüpft aber auch an an ein Verständnis von musikalischer Unterhaltung, das im englischsprachigen Raum verbreitet, bei uns aber eher verpönt ist. Gerard Hoffnung, Peter Schickele, Spike Jones heißen einige Repräsentanten des pointierten Umgangs mit Musik, bei dem man sich für sein Lachen nicht schämen muss. Auch der in Dänemark geborene und in den USA verstorbene Victor Borge gehört dazu.