Christina Pluhar, die Leiterin des Ensembles L'Arpeggiata, lud Mimmo Cuticchio und seine bekannte sizilianische Compagnia Figli d'Arte Cuticchio zu einem gemeinsamen Projekt für die Ludwigsburger Schlossfestspiele ein. Der Titel Combattimento ist zweideutig: Einmal bezieht er sich unmittelbar auf ein Werk des Projekts, dann aber kann er auch als »Wettbewerb« zwischen den beiden beteiligten Ensembles oder den beiden Künsten interpretiert werden. Der Abend besteht aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte steht Ariosts Rasender Roland im Mittelpunkt, in der zweiten Hälfte Tassos Befreites Jerusalem. Christina Pluhar verzichtet aber auf eine Synthese von Puppentheater und Oper, von künstlich hergestellten und singenden Figuren. Anstelle eines Miteinander – nur ein Nacheinander. Die Puppen, eine Mischung aus Stabpuppen und Marionetten, präsentieren ihre Versionen von Fragmenten der Stoffe, die Musiker liefern Opernkompositionen von Luigi Rossi (Il palazzo incantato di Atlante) und Claudio Monteverdi (Il Combattimento di Tancredi e Clorinda) nach.
Das ist schade, fast eine vergebene Chance. Vor drei Jahren, 2008 gastierte Mimmo Cuticchio mit seiner Compagnia bei den Salzburger Festspielen. Von Gesualdo und seinem Doppelmord aus Eifersucht handelte das Puppenspiel Terribile e spaventosa storia del principe di Venosa e della bella Maria, für das Salvatore Sciarrino eine Musik für Saxophonquartett, Schlagzeug und Frauenstimme geschrieben hatte. Sie besteht größtenteils aus Bearbeitungen von Kompositionen Gesualdos sowie Domenico Scarlattis, die an die Rameau-Improvisationen von Heiner Goebbels und Alfred Harth, an Officium von Jan Garbarek mit dem Hilliard Ensemble oder an den Jazz von Gianluigi Trovesi, auch an die Nuova Compagnia Di Canto Popolare erinnern. Da konnte man sehen, was sich erreichen lässt, wenn Komposition und Puppenspiel eine Einheit bilden, nicht bloß auf einander folgen.